Whisky als globale Spirituose – die sechs großen Nationen des Whisk(e)ys

Dass Whisk(e)y eine der beliebtesten Spirituosen der Welt ist – nun, das ist unstrittig. Während es früher das Getränk der Wahl älterer Herren in Chesterfield-Lehnsesseln war, begeistert er in seiner Vielfältigkeit heute ein weitaus breiteres Publikum. Während Cognac diese Zielgruppe zumindest in Europa immer noch schwer zu überwinden scheint, begibt sich Whisk(e)y auf einen globalen Siegeszug, dessen Abklingen noch lange nicht in Aussicht ist – im Gegenteil! In Schottland und besonders in Irland werden neue Destillerien gebaut bzw. lange geschlossene wieder eröffnet. So geschehen zum Beispiel in der irischen Stadt Tullamore, die Namensgeber für den bekannten Tullamore Dew ist. Dort wurde im Mai 2013 mit dem Bau einer neuen Destillerie begonnen und seit Ende 2014 wird nach mehr als 60 Jahren wieder in der Stadt Whiskey destilliert, welcher vorher aus einer der zentralen irischen Destillerien in Middleton kam.

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Dies ist eine der vielen Neu- bzw. Wiedereröffnungen in der Heimat des Wasser des Lebens. Auch in Schottland, der zweiten Heimat, wird weiter fleißig investiert um Modernisierungen oder gänzlich neue Anlagen zu schaffen. Dalmunach – eine neue Destillerie in der Speyside wurde erst unlängst am 22. Juni 2015 eröffnet (whiskyexperts.net berichtete).

Doch würde das Thema Whisky(e)y tatsächlich solche Ausmaße annehmen, wenn wir „nur“ über zwei Produktionsländer sprechen?
Mit Abstand sind Schottland und Irland die ursprünglichsten Whisky(e)y-Nationen, aber der globale Charakter dieser Spirituose ergibt sich auch aus der globalen Produktion. Die Whisky(e)y-Welt umfasst heutzutage mindestens sechs große Nationen, die für den Markt von gesteigerter Bedeutung sind.
Die dritte große Whisk(e)y-Nation sind die USA. Mit ihrem Bourbon, den Rye-Whiskeys, aber auch spannenden Weizen-Destillaten erfreuen sich die amerikanischen Abfüllungen einer immer stärker werdenden Beliebtheit, auch auf dem deutschen Markt.
Was an der Ostküste der damaligen 13 Neu-England-Staaten als Roggen- und Weizen-Destillate begann, entwickelte sich mit dem „big trail“, der großen Besiedlungswelle gen Westen, zu einem identifikationsstiftenden Mythos: dem Bourbon Whiskey. Dieser wurde – ob das historisch nun so korrekt ist oder nicht – vom Kongress zum native american spirit erklärt und ist aus der Erinnerung an Cowboys, Indianer und fleißige Siedler nicht mehr wegzudenken. Die amerikanische Prohibition und andere widrige Umstände sorgten jedoch dafür, dass er lange Zeit ein Nischenprodukt blieb – im Vergleich zu Scotch Whisky. Doch seit einigen Jahren, auch dank der Entwicklung, welche die Barszene genommen hat, wächst der Markt für amerikanische Whiskeys immer mehr. Es sind nicht nur Jim Beam und Jack Daniels, die den Markt bestimmen, sondern viele andere Produzenten und auch immer weitere kleine Mikrodestillerien. Hier wird noch einiges auf uns zu kommen.

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Im Norden der Vereinigten Staaten ist die vierte große Nation zu finden, wenn man sich über Whisky(e)y unterhält: Kanada. Seit den 60er Jahren ein bisschen auf Canadian Club reduziert, hat man das Gefühl, dieser Gigant befindet sich ein wenig im spirituellen Winterschlaf. Zu Zeiten der us-amerikanischen Prohibition (1920-1933) jedoch blühte der kanadische Markt extrem auf. Man musste ja schließlich einen ganzen Kontinent – mehr oder minder illegal – mit Alkohol versorgen und zudem war man Transitland für geschmuggelten Scotch. Die USA waren Durstig und Kanada war die scheinbar nie versiegende Quelle.
In heutiger Zeit entsteht nach und nach eine kleine, aber stets steigende Nachfrage, nicht nur nach kanadischen Blends, sondern auch nach Single Malts wie Glen Breton. Wir können gespannt sein, was sich in den schier unendlichen Weiten zwischen Neufundland und der Grenze zu Alaska noch entwickeln wird in Sachen Whisky.

Fehlen noch zwei oder: Willkommen auf der anderen Seite der Welt

Die Nummer fünf im Reigen der Whisky(e)y-Supermächte ist Japan. An den vormaligen Exoten im Regal hat man sich spätestens seit letztem Jahr (2014) gewöhnt, als Jim Murray in seiner Whisky Bibel den Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013 zum besten Whisky der Welt kürte. Doch schon länger gelten die Abfüllungen aus Japan zu den ganz großen der Destillierkunst. Was 1924 auf der Insel Honschu bei Yamazaki, der ersten japanischen Whisky-Destillerie begann, entwickelte sich bis heute zu einem fast perfektionierten Engagement im Bereich der Destillation. Was sich damals von den Schotten lernen ließ, hat man im 21. Jahrhundert scheinbar annähernd perfektioniert – „Whisky by engineering“ bezeichnen einige diese Entwicklung.

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Rang sechs ist vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Zum einen, weil die wenigsten hierzulande einen Whisky von dort kennen, zum anderen weil es sich dennoch um den größten Whiskymarkt der Welt handelt. Die Rede ist von Indien. Nun, denjenigen, die indischen Whisky kennen, ist zumeist Amrut bekannt, doch dann hört es eigentlich schon wieder auf. Denn dieser ist neben Paul John einer der wenigen Single Malts des Subkontinents. Vorherrschend sind Blends wie Imperial Blue, McDowell’s No.1, Bagpiper oder Red Knight. Noch nie gehört? Das geht – wie gesagt – den meisten so. Indien ist vor allem deswegen der größte Whisk(e)y-Markt der Welt, da es sich bei der ehemaligen britischen Kronkolonie um die größte Volkswirtschaft des Planeten handelt.
Das sind sie, die sechs großen Whisky(e)y-Nationen. Doch daneben gibt es so viele kleine Länder, deren Bedeutung immer mehr zunimmt – wie Schweden, Taiwan oder auch Deutschland.
Wer sich in das Gewirr von Herkunft und Geschmack der jeweiligen Nationen ein wenig tiefer einarbeiten möchte, der sollte sich anfänglich eine wichtige Unterscheidungsmöglichkeit merken: Während die Schotten, Kanadier, Japaner und Inder ihren Whisky ohne ‚e‘ schreiben, so tun dies die Amerikaner und Iren mit ‚e‘. Diese Regel jedoch wird auch gerne mal mit einer Ausnahme versehen.
In diesem Sinne: cheers!