Don Julio Blanco

Im Hochland von Jalisco war es 1942 das Ziel des jungen Don Julio González, Tequila neu zu denken und zu modernisieren. Er wollte mit klassischen Konventionen brechen und den besten Tequila Mexikos produzieren. Von der Arbeit auf den Feldern, über das langsame Kochen der Herzen bis hin zur Fermentation und Destillation war es sein Ziel, Perfektion zu erreichen. Schon allein die Flasche war damals eine Revolution, obwohl sie heute im Zuge der Premiumisierung des mexikanischen Kulturgutes schon lange keine aparte Sonderrolle mehr einnimmt. Damals hingegen war es tatsächlich revolutionär, genau wie der Anspruch Don Julios, über das traditionelle Denken der alteingesessenen Produzenten hinweg Tequila als etwas Modernes zu denken. Mit all diesem Anspruch schuf er einen der ersten modernen Premium-Tequila der Welt – den Don Julio blanco.

Von Blüten und Segelbooten

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Der erste Eindruck in der Nase dieses mit heute üblichen 38%vol. abgefüllten Tequilas ist eine extreme Helligkeit. Durch die blaue Flasche wird eine Idee erzeugt, die an ein weißes Segelboot vor strahlend blauer Küstenkulisse erinnert. Man riecht im Glas förmlich die frische Luft einer ganz feinen Brise. Keine dominanten Aromen, sondern alles erscheint unendlich filigran und fein. Die Agaven-Noten sind da, aber äußerst leise. Auch etwas Zitrus lässt sich neben einer subtilen Mineralität finden, was jedoch mit der Zeit ein wenig an Konsistenz gewinnt und dichter wird. Nach einigen Augenblicken spielt sich die Mineralität deutlicher auf, ein Sturm – um bei dem Segelbild zu verbleiben – lässt sich jedoch an keinem Horizont erwarten.Kopfnoten von Blüten – eventuell weißer Jasmin – lassen sich erahnen, während die Agave schon etwas deutlicher zum Vorschein tritt.
Im Mund spiegelt sich das gleiche Bild wider. Eine Leichtigkeit mit der die Aromen über die Zunge gleiten. Frischer und leicht präsenter zeigt sich nunmehr die Agave, zu der sich weißer Pfeffer und eben jene exotischen Jasmin-Blüten gesellen. Nur allmählich wird die Struktur dicker, denn grundsätzlich ist die Textur extrem filigran und leicht. Mit etwas Fantasie lassen sich gelbe Früchte – Quitten – finden, die etwas Körper verleihen. Auch über die Zeit hinweg bleibt der Don Julio blanco ein unendlicher Feingeist. Vielleicht etwas mehr Zitrusaromen, die manchmal den Anschein erwecken, es handele sich eher um Zitronensaft, denn um die ätherischen Öle der Schale. Der weiße Pfeffer wirkt auf längere Sicht präsenter, wird jedoch niemals dominant.
Auch im Nachklang finden sich die Blüten und wie eine Erinnerung an Hemmingways Inseln im Strom bleibt die Agave ganz dezent im Hintergrund.

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Für Einsteiger oder Connaisseure?

Der Don Julio blanco ist definitv ein anderer Tequila. Er versprüht nicht die Energie und die Kraft anderer Blanco-Tequila, aber muss er das? Anfänglich schien es, als wäre er ein perfekter Tequila für Einsteiger, die sich ganz ganz langsam dem Thema der Agaven-Brände nähern wollen, doch mit jedem Schluck lässt er seine Brillanz erkennen und positioniert sich auf die Seite der Fortgeschrittenen. Vielmehr als ein leichter Einstieg ist er vergleichbar mit einem Riesling. Für viele ein trivialer Wein, in seiner Komplexität jedoch häufig interessanter, als ungeübte Gaumen es erahnen würden. Ob dieser Tequila in einem Drink funktioniert? Prinzipiell ist er wohl besser in einem kleinen Weißweinglas zum Pur-Genuss aufgehoben. Zu einem leichten und frischen Essen ein toller Begleiter!
Cheers!

Allgemeine Informationen

Hersteller: Don Julio

Alter: V.S.

Alkohol: 38 %vol.

Farbstoff: nein

Kühlfiltration: k.A.

Vertrieb: Diageo

Vielen Dank an Diageo Deutschland für die Bereitstellung der Flasche. Außer Tequila ist hier nix geflossen.