Lang lebe der König!

Über die Geschichte des Martini Cocktail ist schon viel geschrieben worden. Auch hier bei www.spirit-ambassador.de. Von daher wollen wir uns ganz auf die Rezeptur und einige wichtige Aspekte des Zubereiten und Genießen des Königs aller Cocktails konzentrieren. Es sei zu aller erst darauf hingewiesen, dass es sich bei einem Martini – wie auch bei vielen anderen klassischen Kompositionen – um einen ernstzunehmenden, minimalistischen Drink handelt. Ausschließlich vier Zutaten bestimmen das geschmackliche Endergebnis, also sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass diese vier Zutaten nach allen Regeln der Kunst ausgewählt und kombiniert werden müssen. Die Grundlage für einen fantastischen Martini sind qualitativ hochwertige Produkte.

Weiterhin sollte man sich bewusst machen, dass es den klassischen Martini Cocktail nicht gibt. Die historische Entwicklung dieser liquiden Instanz ist so vielseitig, dass man auch im schlussendlichen Drink eine gewisse Flexibilität an den Tag legen sollte – es sei denn, man bestellt in James Bond Manier ganz gezielt und exakt beschrieben seinen Drink. Von daher kann dieses hier veröffentlichte Rezept auch nur ein Beispiel dafür sein, wie ein – mehr oder minder – klassischer Dry-Martini zubereitet wird. Dabei ist grundsätzlich zu beachten, dass unter Dry-Martini ein Mischungsverhältnis von 2 Teilen Gin zu 1 Teil Vermouth verstanden wird, hingegen ein Martini-Cocktail 1 zu 1 gemischt wird. Gin und Vermouth stellen die Hauptzutaten dar, kommen jedoch nicht ohne eine dritte wichtige und eine vierte optionale Zutat aus. Neben der Qualität von Gin und Vermouth ist es vor allem die Temperatur, die den Unterschied zwischen einem liquiden Hochgenuss und anstrengendem Alkohol aus macht. Deshalb ist Wasser in seiner gefrorenen Form – also Eis – die dritte wichtige Ingredienz und schlussendlich ein Bitters die Vierte.

Als grundlegende Rezeptur dient folgende:
50 ml Tanqueray No. TEN
20 ml Belsazar Dry
1 dash Orange-Bitters

© www.spirit-ambassador.de

Dabei handelt es sich um einen deutlich auf der Gin-Seite befindlichen Dry-Martini. Die Komplexität des Tanqueray No. TEN mit seinen fantastischen Fruchtaromen wird besonders in Kombination mit dem Belsazar Dry Vermouth eine etwas leichtere Variante darstellen. Diese Leichtigkeit und Floralität wird mit einem Dash Orange-Bitters noch weiter unterstützt. Das Ziel in seiner Basis ist ein eher frischer und leichter – dennoch trockener – Martini.

Shaken, not stirred – über Fundamentales und Geschmackliches

Hat man sich Gedanken über die Komposition des Dry-Martini gemacht, so gilt es nun, die wohl entschiedenste Frage in Hinblick auf dieses Getränk zu beantworten: gerührt oder geschüttelt. Der klassische Bartender würde an dieser Stelle wohl stets darauf hinweisen, dass ein Martini ob seiner hoch-liquiden Zutaten definitiv gerührt zubereitetet werden sollte. Der Geheimagent ihrer Majestät sieht das anders. Irgendwo dazwischen muss also die Wahrheit liegen – sofern es diese gibt. Es stellt sich die Frage, was eigentlich der handwerkliche Unterschied zwischen Rühren und Shaken ist.
Was also passiert beim Shaken?
Prinzipiell dient das Shaken dem Herunterkühlen des Drinks und dem Verwässern. Beides integrale Bestandteile eines Cocktails! Aus diesem Grund muss Eis auch als Zutat gewertet werden, denn erst die richtige Menge an Schmelzwasser lässt die einzelnen Ingredienzien eine Einheit bilden. Im Unterschied zum Rühren entsteht beim Shaken mehr Schmelzwasser, da durch mehr Bewegung in der Flüssigkeit auch deutlich mehr Oberfläche im Drink generiert wird und bekanntlich schmilzt Eis an der Oberfläche. Dies ist jedoch auch der Grund, warum beim Shaken eine extrem schnelle Abkühlung erzeugt wird.
Zusätzlich gelangt durch die gewaltige Bewegung eine erhebliche Menge Sauerstoff in das Getränk, was zum einen bewirkt, dass es leicht trübe wird und zum anderen, dass Geschmack und Textur sich anders präsentieren. Der Cocktail wird deutlich leichter und frischer.
Idealerweise wird der Drink mit kaltem Eis geschüttelt, wobei es nach Aussage von Dave Arnold tendenziell egal sei, wie groß die tatsächliche Oberfläche des Eises ist – zumindest in Bezug auf den Verwässerungsgrad. Unter 8 Sekunden entsteht zu wenig Schmelzwasser und der Drink ist nicht ausreichend kalt, über 12 Sekunden verändert sich kaum noch etwas, er wird nur noch minimal kälter. Von daher – und dies ist auch meine Erfahrung – sind 10 Sekunden shaken eine ideale Zeit. Dabei wird eine (ideale) Trinktemperatur von knapp -5°C erreicht. (Dies lässt sich alles fantastisch nachlesen in dem aktuellen Buch von Dave: Liquid Intelligence!)
„Cocktail shaking is violent. Banging ice rapidly around inside a shaken tin is the most turbulent, efficient, and effective manual chilling/ diluting technique we drink makers use. Shaking is so efficient, in fact, that cocktails rapidly approach thermal equilibrium inside the shaker. Once equilibrium is reached, very little further chilling or dilution will take place, whether you ice is big or small, whether you continue to shake or don’t.“
aus: Dave Arnold – Liquid Intelligence, p.91.

Zum Shaken sei noch eines gesagt, in dem sich die meisten einig sind: es ist eine wichtige Technik bei der Zubereitung von Cocktails und anderen Mischgetränken – es ist jedoch keine (!) Kampfkunst oder Artistik.

Bei gerührten Drinks verhält es sich hingegen komplett anders. Allein der zeitliche Aufwand, den Drink annähernd genauso kalt zu bekommen ist deutlich höher. Dies hat wieder etwas mit der Oberfläche der Flüssigkeit zu tun, die geringer ist durch weniger Bewegung. Von daher sind gerührte Cocktails selten so kalt, wie es geschüttelte sind. Wichtig hierbei ist definitiv die Qualität des Eises. Auch wenn die Oberfläche zum Kälte-Transport wichtig ist, kann sie hier zu einer unnötigen Verwässerung führen. Idealer Weise werden Vollwürfel benutzt und auch nur so viele, wie tatsächlich durch die Flüssigkeit berührt werden.

Ein weiterer deutlicher Unterschied ist die Textur-Veränderung im Vergleich zum Shaken – oder besser gesagt: die Irrelevanz. Beim Rühren wird kaum Sauerstoff übertragen und kann somit in keiner Weise in den Drink gelangen. Dies führt im Falle eines Dry-Martini dazu, dass er deutlich fettiger und wuchtiger in seiner Textur ist und erheblich mehr Dominanz auf den schweren Aromen des Wacholders liegt, denn auf der Filigranität und der Säure des Vermouths.

Und was ist mit Oliven?
Warum und vor allem wer die Olive das erste mal in den Martini Cocktail legte, ist leider nicht zu ermitteln. Mit Sicherheit jedoch ist diese Art der Garnitur etwas, was dem Martini auf der einen Seite zu Weltruhm verhalf, zum anderen uns jedoch unzählige fürchterliche Drinks bescherte. Aromatisch passt eine grüne Olive tatsächlich hervorragend zu der Kombination von Gin und Vermouth – nur leider handelt es sich in den meisten Fällen dieser Garnitur um fürchterliche Oliven aus der Dose, eingelegt in salziger Brühe/ Lake und zumeist irgendwo im hinteren Teil des Kühlschrankes vergessen. Kurz und bündig: häufig erschlägt die Brutalität der Oliven und ihre mitbringenden Aromen den Drink. Eine Alternative ist das Einlegen von hochwertigen Oliven in Vermouth. Ob man sie dann in den Drink gibt oder als Foodpairing nebenbei serviert – das muss am Ende jeder selbst entscheiden. Wir befürworten eine Zitronenzeste, um dieser filigranen Gestalt Dry-Martini Cocktail noch den letzten Schliff aromatischer Flügel zu verleihen.

© www.spirit-ambassador.de

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Mit der gleichen Rezeptur erhält man über die unterschiedliche Herstellung zwei völlig verschiedene Drinks – einfach mal ausprobieren!
Welcher davon dann der vermeintlich Bessere ist, nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Mr. Bond, hat es 2006 im neugedrehten Film Casino Royal diesbezüglich am treffendsten auf den Punkt gebracht: „Do I look like I give a damn?“

Abschließende Gedanken zum Trinken

Wie eingangs schon erwähnt, ist der Dry Martini Cocktail eine ernstzunehmende Komposition – von daher sollten jegliche Art Trinkspiele mit einem solchen Drink von vornherein ausgeschlossen werden! Genießen Sie ihren Dry Martini mit dem höchsten Respekt vor den Produkten und dem Menschen, der ihn Ihnen zubereitet hat! Nur genießen Sie zügig! Auch in gefrosteten Gläsern ist die Haltbarkeit einer angenehmen und somit kühlen Trinktemperatur nur von kurzer Zeit. Er gehört zu der Kategorie der 7-Minuten Drinks. Spätestens danach wird er warm und verliert seine Großartigkeit. Aber in diesen 7 Minuten können Sie wahre Aromen-Wunder erleben.

In diesem Sinne – Cheers!

Die in diesem Beitrag genannten Produkte entsprechen dem Gusto des Autors und stellen seine Meinung in Bezug auf Anspruch des Drinks dar. Außer Probeflaschen und Drinks ist hier nix geflossen.