Die Schottland-Karibik-Linie

Die große Kunst eines Whisky-Masterblenders wird immer dann deutlich, wenn man über ein großes Portfolio an Abfüllungen hinweg dennoch immer wieder die ursprüngliche Idee, den Hausstil der jeweiligen Brennerei erkennt. Nur wenige Häuser können das so gut wie Glenfiddich es schafft, dass man ihre Whiskys immer wieder erkennt – selbst nachdem das Holz lange Jahre auf das Destillat einwirken konnte. Wenn dann noch Fässer dazu kommen, die eher selten als aroma-gebende Instanz bekannt sind, wird es umso spannender. Eine dieser par excellence gelungenen Abfüllungen ist der bekannte 21jährige Glenfiddich Gran Reserva Rum Cask finish, welcher für rund 4 Monate in Rumfässern nachreifen durfte.

Kuba, Havana und globale Verkaufsstrategien

Glenfiddich 21 Gran Reserva Rum Cask finish – so der Name dieser hier zugrunde liegenden Abfüllung (mittlerweile wurde das Äußere der Flasche und der Name nochmals verändert: Reserva Rum Cask Finish) – beinhaltete vor einigen Jahren noch den Namen der kubanischen Hauptstadt: Havana. Dies hatte man irgendwann ändern müssen, weil angeblich Havana Club ein Problem mit der Namensverwendung hatte. Viel mehr Sinn jedoch ergibt es, sich einzugestehen, dass ein globales Produkt mit dem Wort  ‚Havana‘ im Namen eventuell rechtlich kompliziert werden könnte in einem der besonders wachsenden Single Malt Scotch Whisky Märkte: den USA. Aus welchem Grund nun immer – man entschloss sich zur Umbenennung.

Eine Frage der Fässer

Die aromatischen Rahmenbedingungen bei Glenfiddich – führt man mal den 12er oder den 18er als Benchmark an, finden sich zwischen den ganz typischen Apfel- und Birnennoten, sowie einer deutlichen, aber stets charmanten Holzcharakteristik. Diese – so ist zu erwarten – wird sich vor allem auf Seiten des Holzes intensivieren, doch welche Leistung vermögen die nur verhältnismäßig kurz zum Einsatz gekommenen Rum-Fässer zu zeigen?
Bild rechts: Ganz im Stile der ikonischen Flasche von Glenfiddich – der 21jährige Gran Reserva Rum Cask finish | © www.spirit-ambassador.de
Leider gibt es keine verbindlichen Informationen dazu, was das für ein Rum-Fass-Typ war. Man erfährt ausschließlich, es handelt sich um karibische Gran-Reserva Rumfässer. Diese Formulierung ist in etwa so genau, wie eine Weinbestellung mit den Worte „Ich mag französischen Rotwein“. Obwohl, hier hätte man zumindest das Weinbauland genannt. Wahrscheinlich ist davon auszugehen, dass es sich um Fässer aus amerikanischer Weißeiche handelt, schließlich werden diese zum allergrößten Teil für die Rum-Reifung eingesetzt. Interessanter wäre zu erfahren, wie lange welche Art von Rum darin gelegen hat, da Gran Reserva nicht wirklich aussagekräftig ist. Wenn man davon ausgeht, dass wir es tatsächlich noch mit kubanischem Rum zu tun haben, dann handelt es sich also um einen Rum im sogenannten spanischen Stil. Dies wiederum hilft zumindest bei der Deutung der Formulierung „Gran Reserva“, kommt diese doch auch im spanischen Weingesetz vor und besagt, dass Reserva-Qualitäten immer mindestens drei Jahre im Fass verbringen müssen und Gran Reserva-Qualitäten mindestens derer fünf. Es ist auf jedenfall spannend zu sehen, wie sich diese Rumfässer aromatisch auf die klassische Struktur von Glenfiddich niederschlagen.

Eine nachträgliche Anmerkung aus verlässlicher Quelle

Ein Ort vieler Geheimnisse – die Destillerie Glenfiddich | © www.spirit-ambassador.de
Nach einigen Jahren im Spirituosen-Business lernt man viele Leute kennen, die in bestimmten Themen einfach tiefer stecken als der Rest. Nach einem spannenden Telefonat mit jemandem, der bei Glenfiddich ein und aus geht, lässt sich die Fassarbeit etwas konkreter darstellen. Es handelt sich bei den zum finishing herangezogenen Fässern um welche, die zuvor einen eigens kreierten Rumblend aus drei unterschiedlichen, die Karibik abbildenden Rumsorten beinhalteten. Dieser Rum hat im Schnitt ein Alter von drei Jahren (Reserva-Qualität im spanischen Sinne) und besaß eine Stärke von ca. 60%vol. Wenn man sich überlegt, welche Rumstile die Karibik besonders gut abbilden, so müssen auf jedenfall Jamaika und Kuba genannt werden. Vielleicht werden einige der so typischen Aromen für diese Stile später erlebbar. Allerdings gibt es offiziell keine genauen Aussagen zur Gestaltung des Blends. Aber wichtig ist am Ende eh, wie der Rum – also der Whisky schmeckt.

Die Kraft des Südens

In einem dunklen Bernstein mit roten Reflexen zeigt sich der Glenfiddich 21 im Glas. Schon in der ersten Nase versprüht er eine dicke und süße Schwere – das Rumfass ist sofort merkbar und offeriert schwere, reife Bananen. Reife Banane findet sich ganz typisch in den schweren Esther-reichen Rums Jamaikas wieder. Dazwischen finden sich kandierte Orangenschalen (Zitrusnoten erinnern an den spanischen Rum-Stil und würden für Kuba sprechen) und etwas Leder. Im Hintergrund dann die so typischen Apfelnoten, die eine sehr belebende Frische mit sich bringen und sich charmant mit Gewürzen umgeben. Die Süße ergänzt sich um Honig und Rosinen, springt jedoch immer zwischen einer Schwere und latent trockener Eleganz hin und her. Nie ist sie dabei übersättigt. Mit der Zeit wird das Holz deutlicher und in seiner Ausprägung intensiver, bis es schließlich diese typische Art von Altersrauchigkeit entwickelt, die viele Single Malts aus ex-Bourbon-Fässern ziehen, wenn sie älter als 15 werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass dieser Whisky nur vier Monate in vormals mit Rum belegten Fässern verbracht hat.
Schon jetzt ist diese Dynamik spannend zu beobachten, die sich da zwischen Holz und Frucht etabliert, die dazu immer heller wird und zu der sich aber auch später Kakao und Schokolade zu gesellen scheinen.
Im Mund wirkt er erstmal viel leichter als erwartet – frischer, strukturierter. Die feinen Gewürze sind hier deutlich spürbarer: Zimt, Nelken, Pfeffer und Piment bilden ein tolles Gegengewicht zu den wiederkehrenden Früchten mehliger Äpfel und der Orange. Generell wirkt der 21er Glenfiddich sehr warm, das jedoch ohne auch nur ein einziges Mal kitschig zu werden. Die Süße ordnet sich der Struktur von Holz und Gewürz unter, wird jedoch allmählich dominanter. Der Kakao kommt dazu und sorgt für eine trockene Textur. Mittlerweile stellt die Frucht scheinbar nur noch den sensorischen Rahmen für die Dynamik zwischen den Gewürzen und dem Kakao, aber wirkt zugleich auch fantastisch verbindend. Bei alle diesen dunklen Aromen kommt jedoch – thematisch gesehen Gott sei Dank – nicht ein einziges Mal eine Art der Winterassoziation auf. Im Gegenteil! Ein warmer Sommerabend und dann ist der Glenfiddich 21 Gran Reserva Rum Cask finish sogar einer der seltenen Abfüllungen, zu denen eine Zigarre wohl wirklich Spass machen wird.
Ein toller und komplexer Malt – und hervorragend für die Kombination mit einer leichten Zigarre geeignet | © www.spirit-ambassador.de
Selbst im Nachklang ist die Dynamik ergreifend. Leicht kühle, ätherische Noten hängen am Gaumen und bilden mit den Orangen einen fantastischen Oberton, der die langlebigen Gewürze zur Schau stellt. Der Whisky wirkt äußerst erwachsen, herb und hinterlässt eine enorme Adstringenz und Komplexität im Mund.
Egal was nun wann wie lange in den Fässern war oder nicht. Der Glenfiddich 21 Gran Reserva Rum Cask finish ist ein großartiger Whisky, dessen Komplexität viel Zeit und Gedult erfordert beim Trinken, dafür jedoch eine Spannungsgarantie bietet, die man allzuhäufig im sonntäglichen Abendfernsehen vermisst. Und schlussendlich ist er trotzt seiner sensorischen Kapriolen und dem besonderen Fassmanagement ein ganz typischer Glenfiddich. Hier offenbart sich große Blend-Kunst. Chapeau!
In diesem Sinne!
Cheers!

Allgemeine Informationen

Destillerie: Glenfiddich

Alter: 21

Alkohol: 40 %vol.

Farbstoff: n.n.

Kühlfiltration: Ja

Vertrieb: Campari

Vielen Dank an Campari Deutschland für die Bereitstellung der Flasche. Außer Whisky ist hier nix geflossen.