Glengoyne 18 – Kunst am Gaumen

Diejenigen unter Ihnen, die spirit-ambassador.de schon länger verfolgen und mich kennen, wissen, dass ich ein ganz offenes Faible für die Alterstufe 18 bei schottischem Whisky habe. Diese Zahl – über die Notwendigkeit für Qualität möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren – erzeugt in meinem Kopf etwas Erhabenes. Etwas beruhigendes, ohne eine Angst zu evozieren, dass ich beim ersten Schluck in eine alte Bahnschwelle beisse. Von daher war es mir ein großes Vergnügen und eine tolle aromatische Bereicherung, den folgenden Whisky verkosten zu dürfen: Glengoyne 18 Jahre.

Von Ruhe und Geistern

Eigentlich ist es kein ruhiger Ort an dem der Whisky von Glengoyne entsteht. Nur knapp 15 Meilen nördlich von Glasgow gelegen ist es das ideale Ausflugsziel für alle diejenigen, die auf ihrer Schottlandreise eine Brennerei besichtigen wollen. Dafür ist die Nähe und damit die Anbindung nahezu perfekt. Von daher strömen jedes Jahr rund 60.000 Besucher auf den kleinen Hof der Brennerei. In der Vorstellung kann es da schon ziemlich hektisch zu gehen.
Ist man dann jedoch dort, offenbart sich trotz vieler Menschen ein Ort der Ruhe. Schon der betörende Duft von Malz, den man mit dem ersten Schritt einatmet und den man nie aus der Nase verliert, ist einladend und beruhigend. Man durchschreitet den Hof und kommt ganz am Ende, vor dem kleine Stausee der die Quelle bildet in das damals – die Brennerei wurde 1833 gegründet – erste Warehouse von George Cornell. Hier befindet sich das Besucherzentrum und es verteilen sich gemütlich Ledersessel. Genau der richtige Ort für einen 18jährigen Whisky. Während man in die Geschichte von Glengoyne eintaucht hat man so manches Mal das Gefühl, der ehemalige Brennerei-Manager Cochran Cartwright – der hier nur noch ab und zu als Geist auftaucht – würde einem gemeinsamen Glas sofort zustimmen.

Glengoyne 18 | © www.spirit-ambassador.de

Es ist familiär in der ersten eigenen Single Malt Destillerie der Firma Ian MacLeod Distillers, die seit 2003 zum Unternehmen gehört. Nicht nur zwischen den Angestellten und den Gästen, sondern irgendwie fühlt man sich hier grundsätzlich sofort heimisch.

Sherryfässer und Wärme

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht viel über die Herstellung dieses fantastischen Whiskys erzählen – dies finden sie an anderer Stelle beschrieben. Einzig und allein ein kleines Wort zu den Fässern sei genehm. Hier bei Glengoyne greift man seit 1870 – ein Jahr, nachdem Cochran Cartwright in der Brennerei zu arbeiten begann – auf Sherryfässer zurück. Diese gelangten durch die Nähe zu Glasgow und dem anhaltenden Sherryboom in Großbritannien hier hin und wurden einfach für die Lagerung von Whisky weiter genutzt.
Daher ist auch ihre Bedeutung für den 18jährigen Glengoyne von enormer Whichtigkeit, reifen doch 15% in Sherryfässern aus amerikanischer Eiche und 35% des new makes in Sherryfässern aus eruopäischer Eiche. Die restlichen 50% sind ex-bourbon Casks – vornehmlich refill um dem Sherry seine gebührende Bühne zu bieten.

Von Äpfeln und Beruhigung

Versetzen wir uns also zurück in das Besucherzentrum von Glengoyne, auf eines dieser so gemütlichen Sessel und tauchen ein in die Welt eines fantastischen Malts – das kann ich Ihnen nunmehr schon verraten.
Und dann leuchtet dort im Glas kupfer-bronze-farbend der Glengoyne 18. Der erste Gedanke: delikat! Nicht mehr, aber auch nicht weniger. In der Nase breiten sich Aromen von Vanille aus – so deutlich, dass es lohnt, diese zu erwähnen; dazu alte, reife Lageräpfel mit ihrer ganz speziellen Süße, welche ergänzt wird durch Rosinen und Gewürz. Edles Holz prägt die Aromatik – die Eleganz von Sandelholz, aber auch die typische Energie europäischer Eiche.

Bild links: Auf dem Gelände von Glengoyne lässt es sich herrlich Whisky genießen – oder halt auch spuken  | © www.spirit-ambassador.de

Aus den Gewürzen extrahieren sich Kakao und Schokolade, welche eine brilliante Dynamik herstellt zwischen den Fruchtaromen der Äpfel. Es erinnert an eben jene Ledersessel, auf denen wir im Geiste gerade sitzen. Dazu wieder die so typischen Nüsse und Gräser, doch alles in einer so unendlichen Art des Erwachsenseins, dass man schon fast Respekt bekommt vor dem Portfolio an Aromen. Der Glengoyne 18 wirkt schon hier, in der Nase einfach beruhigend. Mit etwas Zeit öffnet sich die Aromatik noch mehr und wirkt dynamischer – ohne jedoch in Hektik zu verfallen. Es sind vor allem krautige Noten, die nunmehr für eine noch spannendere Abhandlung sorgen.

Vom Sofa auf die Couch

Im Mund wirkt der Whisky ausgesprochen mild, sehr weich und dennoch ausdrucksstark. Die Darbietung der Aromen entwickelt sich auch hier zwischen gebackenen Äpfeln als fruchtiger Komponente und Gewürzen – vor allem Tabak – und Schokolade. Eine feine Pfeffrigkeit auf der Zunge spitzt dies angenehm zu und wenn man nicht auf einem Sessel sitzen würde, wäre die Suche nach dem nächsten Chesterfield-Sofa das naheliegendeste Projekt bei diesem unglaublichen Genuss. Eine großartige Abbildung der Gewürze und einer breiten Textur. Dazu immer wieder diese Äpfel! Am Gaumen etabliert sich eine feine Süße herber Schokolade. Dieser Whisky wirkt unglaublich einfach erwachsen.

Ein wirklich fantastischer Whisky | © www.spirit-ambassador.de

Und er wird von Augenblick zu Augenblick weicher, cremiger und spickt sich zeitgleich mit Gewürzen und Kräutern. Sogar eine Art ätherischer Zitrusfrucht kommt mit der Zeit auf und erinnert an Orangenmarmelade. Dies alles verbleibt im Nachklang neben dem Kaffe und den Trockenfrüchten. Dieser Nachklang scheint sich ins Unendliche auszudehnen und bringt nochmals herrlichste Tabaknuancen mit sich.
Dieser Whisky ist wahre Kunst. Kunst am Genuss. Es braucht eigentlich nicht viel mehr als ein Glas Glengoyne 18 und die Fähigkeit, kurz von dieser hektischen Welt los- und sich fallen zu lassen und schon ist man wieder in Glengoyne. Auf einem dieser gemütlichen Sessel und findet sich in einem Plausch mit Mr. Cartwright wieder. Natürlich ganz in Ruhe und ohne Stress.
In diesem Sinne.
Cheers!

Allgemeine Informationen

Destillerie: Glengoyne

Alter: 18

Alkohol: 43 %vol.

Farbstoff: nein

Kühlfiltration: n.n.

Vertrieb: Borco

Vielen Dank an Borco für die Bereitstellung der Flasche. Außer Whisky ist hier nix geflossen.