Glenmorangie Signet – das Meisterstück aus Tain

Der Glenmorangie Signet ist nicht der älteste Whisky aus der Highlanddestillerie nahe der Stadt Tain und mit Abstand auch nicht der teuerste, aber dennoch sieht man ihn als das handwerkliche Meisterstück der Men of Tain. Definitiv ist er optisch der Auffälligste. Eine schwarz-amorphe Flasche, die nur in Bodennähe Auskunft gibt über Farbe und Füllstand, dazu das große goldene Emblem der Destille – das Signet. Eine Designerflasche par excellence. Allein der Glaskorken wirkt unglaublich mächtig und wertig. So wundert es auch nicht, dass viele beim Anblick dieser Flasche eher an Parfum oder Cognac denken, denn an das schottische Wasser des Lebens.
Aber hinter dieser Flasche steckt mehr als nur ein aufwendiges Design. Vielmehr spiegelt sich in dem Produkt Signet die Ambivalenz von Glenmorangie wieder.

Die Grundidee einer Destillerie in einer Flasche

Das Bewegen zwischen Tradition und Moderne, zwischen klassischem Destillation-Handwerk und innovativer Grenzüberschreitung wenn es um das Thema Single Malt Scotch Whisky geht – diese Dynamik ist der Antrieb hinter der Arbeit von Dr. Bill Lumsden und seinem Team in Tain und den Laboren in Edinburgh.
Auf der einen Seite diese extrem moderne Flasche und darauf ein Rückblick in das 8. Jahrhundert, denn das Signet ist keine grafische Leistung eines Designer oder Ähnlichem. Nein – es ist ein Relikt aus der Zeit der Pikten. Dieses Symbol befindet sich auf der Vorderseite des Hilton of Catboll Stone, einer knapp 4 Meter großen Steinplatte, die sich in der Nähe der Destillerie befindet und nunmehr weit über 1200 Jahre alt ist. Dieses Signet befindet sich im Übrigen auf jeder Flasche Glenmorangie, nur hier in wirklich großer, fokussierender Form. Genau das richtige Maß für ein Meisterstück, wie es scheint. Doch was steckt nun hinter diesem Whisky in dieser atemberaubenden Flasche?
Auch hier spiegelt sich die Ambivalenz wieder, denn der Signet ruht insgesamt auf vier unterschiedlichen Säulen. Zwei davon sind eher klassische Whisky-Säulen, die anderen beiden moderne Interpretationen bzw. deren handwerkliche Umsetzung. Ganz traditionelle Themen bei der Herstellung von Whisky sind das Alter und die zusätzliche Reifung in Sherry Fässern. Diese beiden Punkte gilt es natürlich auch hier zu beachten.

© Moët Hennessy

Obwohl der Signet ein Whisky der sogenannten NAS-Kategorie ist, also ohne jedwelche Angabe des Alters, sind die ältesten Teile dieser Kreation bis zu 35 Jahre alt. Weiterhin sind einige Teile des Signets in Oloroso-Sherry Fässern gereift, wie man es unter anderem vom Glenmorangie The Lasanta kennt.

Diesen beiden traditionellen Säulen hat man zwei wirklich moderne Interpretationen der Whisky-Herstellung beiseite gestellt. Das eine sind die sogenannten Glenmorangie Designer Cask. Dabei handelt es sich weniger um Fässer, die von Coco Chanel oder Karl Lagerfeld signiert wurden, sondern vielmehr um wirklich speziell gearbeitete amerikanische Weißeiche-Fässer. Das Holz für diese speziellen Fässer stammt aus den Ozark Mountains, einem Hochplateau in Missouri (und Arkansas, Oklahoma und Kansas). Das besondere dabei ist, dass die Eichen hier vor allem auf den Nordhängen des Plateaus wachsen, was ein deutlich verringertes Wachstum bedeutet. Dabei wird das Holz wesentlich fester und somit extrem aromatisch. Auch wird es nicht künstlich in beheizten Hallen getrocknet, sondern über viele Monate unter freiem Himmel. Dabei bleiben viel mehr Aromen erhalten, da sie durch die Hitze der Heizung nicht „verbrennen“. Die auf diesem Wege entstandenen Fässer sind hoch aromatisch und effizient. Es sind im Übrigen die gleichen Fässer, wie sie bei der Reifung des Glenmorangie Astar benutzt wurden. Doch vor allem die vierte – und somit letzte Säule ist entscheidend für die – man kann schon sagen – Einzigartigkeit des Signets. Neben der normalen Gerste wird hier das sogenannte high rastet chocolate malt verwand. Dabei handelt es sich um Gerste, die vor dem Maischen geröstet wurde – ähnlich einer Kaffeebohne. Diese stark geröstete Gerste kann durch die erfahrene Hitze kein Alkohol mehr produzieren (der Zucker ist völlig verbrannt), aber für den speziellen Geschmack wird diese zusätzlich dazu gegeben.

Hilton of Catboll Stone | © Moët Hennessy

Aus wenn es dekadent erscheinen mag – Drinks mit dem Signet sind eine völlig neue Dimension von Komplexität. Hier ein Signet Bobby Burns | © Stefan Walter

Sensorische Meisterleistungen

Und dies wirkt enorm. Schon allein in der Nase empfängt uns ein Schwall Röstaromen. Espresso und Mokka, dazu die cremigen Aromen von Cappuccino. Diese Kopfnoten liegen in einem würzigen Bett aus Sherry-Aromen und dunklen Früchten wie man es vom einem Oloroso Fass erwartet. Dazwischen tauchen immer wieder dunkel Blutorangen-Nuancen auf, die das Ganze etwas auflockern. Die Kombination von 46%vol. und den Röstaromen lassen schon in der Nase erahnen, was im Mund passieren wird. Dort entwickelt sich diese Komposition zu einem wahren Feuerwerk an Aromen. Allein die Süße und zugleich Würzigkeit der Sherry Fässer eröffnen ein breites Portfolio an Aromen. Dazu die geröstet Gerste, die kräftig auf der Zunge tanzt. Zimt, Kardamom, dunkle Bitterschokolade. Eine wirklich große und kräftige Melange dunkler Aromen, die es versteht, ein kräftiges Fortissimo zu spielen. Das ist Beethoven, gespielt voller Inbrunst und Leidenschaft. Und auch der Nachklang ist von einer überwältigenden Stärke. Die Mischung aus Kaffee und dunkler Schokolade scheint nie zu enden. Eine leichte Süße kandierter Orangen, etwas Zitrus und eine leichte Idee von Minze bilden einen erfrischenden Kontrapunkt zu den ansonsten dunklen Aromen. Hier spiegelt sich geschmacklich wunderbar die schwarze Flasche  wieder.
Noch deutlicher wird die Kraft dieses Whisky, wenn man ihn ganz behutsam aus einem Weinglas verkostet. Dabei sollte man jedoch sehr vorsichtig sein und nicht allzu sehr das Glas und den Whisky schwenken. Aber wenn der Signet etwas mehr Luft bekommt ist es möglich, das Fortissimo sogar noch in ein Crescendo zu überführen. Von daher ist es spannend, im Weinglas sogar ratsam, eine kleine Menge Wasser dazu zu geben, um die Vielfältigkeit der Aromen noch besser zu erleben.

So richtig greifen lässt sich die aromatische Entwicklung dieses Meisterwerks nur schwer. Ein bisschen vielleicht, wenn man sich die Filigranität des Signets – also des Symbols – genauer anschaut. Mit der Sekunde Zeit auf der Zunge entwickelt sich eine neue Dimension, ähnlich den vielen Windungen des uralten Piktenzeichens. Wahrlich ein fantastischer Whisky, der sensorisch vielleicht schon so etwas wie eine liquid-spätrömische Dekadenz darstellt. Schlussendlich jedoch einfach atemberaubend und ein Erlebnis, das jedem dringend auf die Zunge und ans Herz gelegt wird!

Slainthe

Allgemeine Informationen

Destillerie: Glenmorangie

Alter: NAS

Alkohol: 46 %vol.

Farbstoff: Ja

Kühlfiltration: Ja

Vertrieb: Moët Hennessy Deutschland

Vielen Dank an Moët Hennessy Deutschland für die Bereitstellung der Flasche. Außer Whisky ist hier nix geflossen.