Glenmorangie The Nectar d’Or – flüssiges Gold

Aller guten Dinge sind bekanntlich derer Drei. Nach dem Lasanta und dem Quinta Ruban hier nun der Letzte der Extra Maturation Range von Glenmorangie – der Nectar d’Or.
Während die Beiden erstgenannten auf eine lange Geschichte in der Wood-Finished Reihe (im Übrigen 1996 erstmals erschienen) blicken können, kam der Nectar d’Or erst mit seinem Release 2007 auf den Markt. Sherry- und Portfässer sind schon länger bekannte Aromengeber für das schottische Lebenswasser, daher war die Reise nach Frankreich eine neue Erweiterung – nicht nur des Portfolios, sondern auch der Geschmackswelt. Für den Nectar d’Or begeben wir uns von der iberischen Halbinsel nach Norden, in das französische Bordeaux. Berühmt für seine großen, mächtigen Rotwein-Cuvées hat diese französische Weinregion jedoch noch etwas anderes zu bieten. Süßwein nämlich! Genauer gesagt die Sauternes-Weine. Doch fangen wir einfach von vorne an.

Die Basis für diesen 12jährigen Single Malt stellt wieder das Glenmorangie Flaggschiff, der 10jährige Original. Dieser wird nach dem Erreichen seines Alters umgelegt in die französischen Süßweinfässer, in denen er für zwei weitere Jahre Aroma entwickeln darf, bevor er dann schlussendlich mit 46%vol. abgefüllt wird. Der Name verweist auf zwei mehr oder weniger wichtige Grundeigenschaften des Whiskys. Nectar, der Trank der Götter in der Antike beschwört eine honigsüße Aromatik, die sich sowohl in der Nase, als auch später im Mund wiederfinden lassen wird. Und d’Or verweist auf die sich einstellende Ahnung, wie flüssiges Gold ausschauen kann, wenn man das Glas einmal gegen das Licht hält. Diese Optik ist wunderschön, doch am Ende etwas rein Emotionales – wie alle Farbwahrnehmungen. Und somit auch nicht wirklich ein Qualitätsmerkmal von Whisky. Aber schön!

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Besinnen wir uns auf die Aromen und zuerst auf die der Nase. Die angesprochene Honigsüße ist von Anfang an sehr präsent. Als Grundaroma des Sauternes verweist sie hier deutlich auf die letzten zwei Reifejahre in den Weinfässern. Es ist schon erstaunlich, welche unterschiedlichen Basisaromen entstehen können, wenn gleichaltrige Whiskys für nur eine kurze Zeit in anderen Fässern gelegen haben. Der Sauternes bringt seine volle Süße mit, lässt jedoch auch den Nuancen, welche typisch sind für Glenmorangie ausreichend Spielraum. So sind wieder klassische Zitrusnoten zu finden, die hier jedoch deutlich frischer und spitzer wirken. Währen bei den vorherigen Abfüllungen zumeist eine Andeutung von Orangenschale zu finden ist, tendiert man hier eher zu Limette. Diese bindet sich wunderschön in eine cremige Struktur von weißer Schokolade mit Vanille ein. Die Erinnerung an eine frische Limetten-Tarte steigt mir sofort in den Kopf. Ähnlich wie beim Quinta Ruban finden sich jedoch auch hier Kopfnoten, die eine deutliche Würzigkeit versprühen. Zwischen dem würzig-süßen Honig (der schon an Akazien erinnert) und der süß-frischen weiße Schokoladen-Limetten-Komposition erhebt sich eine ätherische Schärfe, die jedoch erst im Mund richtig deutlich wird. Über der wirklich dichten, cremigen Süße der weißen Schokolade – die sich auch als Textur deutlich darstellt – findet sich eine ganz filigrane aber deutliche Ingwerschärfe. Ein spannender Kontrapunkt zu der sonst sehr kompakten Aromakomposition des Nectar d’Or.  Im Vergleich zu Lasanta und Quinta Ruban wirkt dieser hier noch ein kleines Stückchen komplexer, was auch der Grund dafür ist, dass ich trotz der nur 46%vol. ein kleines bisschen Wasser dazu gebe. Zumindest zum probieren. Das Ergebnis ist tatsächlich spannend. Die Perfektion der einzelnen Aromen baut sich zu einem starken Crescendo der weißen Schokolade auf, die dadurch extrem an Präsenz gewinnt. Hingegen später der Ingwer wesentlich deutlicher und schärfer zu Tage tritt. Eine interessante Veränderung – durch nur ein paar Tropfen Wasser, die deutlich leiser ausfällt, je mehr Wasser man dazu gibt.
Der mittel-lange Nachklang ist dominiert von der schweren – fast schon buttrigen – Süße der weißen Schokolade und den frischen Aromen von Ingwer und einer Idee Kokos als extrem antagonistisches Ensemble. Einfach eine tolle Komplexität.

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Was macht man nun damit? In erster Linie natürlich pur trinken. Als kleines i-Tüpfelchen empfehle ich dazu ein Stückchen weißer Schokolade mit einer hauchdünnen Scheibe frischen Ingwers. Was auf den ersten Moment vielleicht etwas unvorstellbar klingt, schmeckt tatsächlich ausgezeichnet und passt nahezu perfekt.
Für den etwas größeren Hunger empfiehlt sich die Kombination mit einem selbstgemachte Lachs-Tatar, welches selber noch mit Zitronenabrieb und Ingwer gewürzt wird.
 Durch die vielen kleinen Aromen lässt sich auch hier wieder eine Fülle an Möglichkeiten finden.
In diesem Sinne
Slainthe

Allgemeine Informationen

Destillerie: Glenmorangie

Alter: 12 Jahre

Alkohol: 46 %vol.

Farbstoff: Nein

Kühlfiltration: Nein

Vertrieb: Moët Hennessy Deutschland

Vielen Dank an Moët Hennessy Deutschland für die Bereitstellung der Flasche. Außer Whisky ist hier nix geflossen.