Margarita – mehr als nur der Name eines Mädchen

Die Margarita gehört unzweifelhaft zu den bekanntesten Drinks der Welt. Spätestens seit den Margarita-Exzessen eines Charlie Harper in „Two and a half man“ kennt jeder den Kult-Cocktail mit Tequila und wird ihn auch schon probiert haben. Zumeist jedoch in Abwandlungen a la Erdbeere-Margerita oder ähnlichem. Doch was steckt eigentlich hinter diesem vermeintlich süßen Drink, den es allzu oft nur aus dem Blender als Frozen-Cocktail gibt, der einem das Gehirn frosten lässt und der Party-Spass für eine ganze Generation Mittdreißiger ist, welche die letzte Nacht garantiert bereuen werden, je mehr sie davon trinken? Die Antwort ist einfach: eine spannende Geschichte voller Storys und Ansichten – und natürlich ein eigentlich fantastischer Drink!

Mindestens zwei Wege führen zum Ziel

Wie so oft ranken sich Geschichten und Mythen um die Entstehung des Signature-Drinks für Tequila. Allen voran die beiden Geschichten zweier Menschen, die von sich behaupten, ihn erfunden zu haben.
Da haben wir zum einen einen gewissen Carlos „Danny“ Herrera – ein Barmann aus dem Rancho La Gloria, einem Restaurant irgendwo zwischen Tijuana und Rosarito. Im Jahre 1938 soll er für die Tänzerin Majorie King an seiner Bar einen Tequila-Drink kreiert haben. Tequila deswegen, weil die Gute angeblich auf alle anderen alkoholischen Produkte allergisch reagiert hätte. Eine in sich logische Argumentation, jedoch irgendwie schwer nachzuvollziehen.
Eine andere Geschichte ist auch an eine Frau gebunden. Die Society Lady Margarete „Margarita“ Sames – aus Dallas – besaß mit ihrem Mann in den 1940er Jahren ein Gästehaus kurz hinter der mexikanischen Grenze. Dort lud sie zu Weihnachten 1948 Freunde ein und servierte ihnen eine erfrischende und belebende Mixtur aus Tequila, Curacao und Limette. Die drei Basis-Ingredienzien für eine ordentliche Margarita. Eine erstmalige schriftliche Erwähnung fand dieser Drink 1953 im legendären Esquire Magazin. Doch so richtig will keine der Geschichten die Wahrheit aufdecken, wie es häufig der Fall ist. Die Geschichte der charmanten Gastgeberin aus Dallas kann zumindest zeitlich nicht stimmen, da schon drei Jahre zuvor, nämlich 1945 ein PR-Text der Tequila-Marke Cuervo zu finden ist, auf dem mit dem Slogan „Margarita: it’s more than a girls name“ geworben wird.

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Erstmalig wird diese so populäre Mixtur 1937 schriftlich fixiert. 1/2 Tequila, 1/4 Limette und 1/4 Cointreau – so finden wir einen Drink im Cafe Royal Cocktail Book von W. J. Tarling aus London. Dieser Drink jedoch wird dort Picador genannt. Genauso unklar wie die tatsächliche Entstehung dieses Drinks ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Drink-Kategorie. Wer sich an einen Sour erinnert fühlt liegt nicht verkehrt. David Wondrich verweist in seinem Werk Imbibe! darauf, dass die Ursprünge einer Margarita wohl in der Daisy liegen – welches sich auch durch die Übersetzung des Namens ergeben würde. Diese Kategorie finden wir schon bei Jerry Thomas als Mischung von Spirituose, Zitrus und einer Süßequelle, die auch gerne aus dem Bereich der Liköre stammen konnte. Erst später wurde aus der Daisy ein Drink, der auch nach einem Spritzer Soda verlangte. Eine weitere Analogie wäre die des Tequila Sidecars. Einer Abwandlung des wohl bekanntesten Cognac-Drinks der Welt.
Schlussendlich bleibt es eines der vielen Geheimnisse, die sich um diesen mehr als populären Drink ranken. Und populär ist er! Während in Deutschland Tequila leider immer noch völlig unterschätzt wird, wird dieser Spirituose und seinem berühmtesten Drink in den USA eine Aufmerksamkeit zu teil, die man kaum beschreiben kann. Nicht nur, dass mehr als 15% aller bestellten Drinks in den USA Margaritas sind und damit angeblich mehr als 185.000 pro Stunde getrunken werden, nein – es gibt sogar einen offiziellen Tag, der 22. Februar ist in den USA „National margarita day“. Ein Tag jedoch ist für diesen Drink mindestens genauso wichtig: der 5. Mai. An diesem Tag im Jahr 1862 wurde die französische Invasion Mexikos durch Napoleon III niedergeschlagen und ist als Battle of Puebla in die Geschichte eingegangen. Definitiv ein Grund, das mexikanische Nationalgetränk – den Tequila – gebührend zu feiern. Witziger Weise vor allem in den USA.

Der Salzrand gibt einer klassischen Margarita den letzten Schliff – wenn man ihn mag | © www.spirit-ambassador.de

Die klassische Variante

Doch was steckt nun hinter all diesen spannenden Geschichten und Wirrungen? Hier also das Rezept für eine ganz klassische Margarita:
6 cl Tequila
2 cl Limettensaft
2 cl Triple Sec
Das Ganze kräftig auf Eis geschüttelt und in eine Cocktailschale abgeseiht. Das Glas vorher mit einem Salzrand versehen, denn dieser bildet eine fantastische Ergänzung zu dem Spiel aus Süß und Sauer. Das Salz in der Suppe ist bekanntlich das i-Tüpfelchen. Doch hier muss jeder selber entscheiden, wie er dazu steht.

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Dieser Drink hat in seinem Ursprung nichts mit den übersüßten Frozen-Varianten zu tun, die man aus den 1990er Jahren kennt, zumal die ersten Frozen-Margaritas schon 1971 produziert wurden. Im selben Jahr patentierte Mariano Martinez die erste Frozenmaschine in Dallas. Zumindest in diesem Zusammenhang taucht diese Stadt veritabel in der Geschichte eines der populärsten Mix-Getränke des ausgehenden 20. Jahrhunderts auf.
In diesem Sinne
Cheers!

Die in diesem Beitrag genannten Produkte entsprechen dem Gusto des Autors und stellen seine Meinung in Bezug auf Anspruch des Drinks dar. Außer Probeflaschen und Drinks ist hier nix geflossen.