Palm Ridge Rye

Roggen-Whiskeys gehören seit einigen Jahren zum Standartprogramm in den Bars und Spirituosen-Regalen dieses Landes und kommen vornehmlich aus Kanada oder den USA. Dies war noch vor einigen Jahren völlig anders – zumindest was die Verfügbarkeit betraf. Neben einem Jim Beam Rye war das erfolgsversprechendste Produkt im Markt Canadian Club, da dort mit einer relativ hohen Menge an Roggen in der Maische gearbeitet wird.
Erkennbar wird diese Mangelsituation vor allem in alten Barbüchern, wenn Drinks wie Manhattan, die zumeist Rye Whiskey erfordern mit eben jenen kanadischen Äquivalenten gemixt wurden. Doch diese Zeiten sind vorbei. Mittlerweile gibt es auch hierzulande eine große Bandbreite an Roggenwhiskeys – und das nicht nur aus den bekannten Häusern. Nunmehr gibt es auch in dieser Kategorie sogenannte Boutique Whiskeys. Abfüllungen von Brennern, die sich der Craft Distillers Szene zuschreiben und in Kleinstmengen handwerklich hergestellten Whiskey produzieren. Allein in den USA gibt es davon viele hundert. Eine davon ist Florida Farm Distillers aus dem beschaulichen Umatilla in Florida.

Die originale Flasche für den US-Markt | © www.spirit-ambassador.de

Kleinkunst und Handwerk

Das Besondere an all diesen kleinen Brennereien ist in erster Linie tatsächlich die Dimension, in denen dort gearbeitet wird. Wie auch der seit 2009 hergestellte Palm Ridge Reserve wird der Rye in einer kleinen 225L kupfernden single pass Destillationsanlage – also einer Art eingruppiger Kolonne – destilliert. Verwendung findet dabei eine Maische, die zu angeblich 70% aus Roggen besteht und äußerst zeitintensiv destilliert wird.  Die Prozentangabe veraten Dick und Marti nicht gerne – diese sind von einem amerikanischen Kollegen aus einem Interview übernommen worden. Was jedoch für uns besonders spannend ist: der Roggen kommt aus Bamberg.
Gereift ist dieser Whiskey auch in kleinen Fässern von knapp 20 Liter Fassungsvermögen in einer Spanne von ca. sieben bis acht Monaten. Diese enorm kurze Zeit ist der Größe an Fässern und vor allem auch den klimatischen Bedingungen Floridas geschuldet, arbeiten Fass und Destillat unter solchen Bedingung doch viel intensiver als dies zum Beispiel in Schottland oder Irland der Fall wäre.

Bild links: Der Roggen für den Palm Ridge Reserve hat eine lange Reise hinter sich, kommt er doch aus dem bayerischen Bamberg | Quelle: Florida Farm Distillers

Eines steht von vornherein fest: Hier kommt ausschließlich das Ergebnis von händischer Arbeit ins Glas, auch wenn die meisten Craft Distillers unkonventionell arbeiten, so sind die Ergebnisse zumeist geprägt von den Ausgangsprodukten und der Arbeit.

Komplexes Understatement

Diese Arbeit zeigt sich im Glas fuchsgold und kupfern leuchtend. In der Nase offenbart sich der Palm Ridge Rye sofort frisch und trocken. Das Holz liefert helle Noten und die Würze des Roggens wird deutlich – jedoch nicht auf eine laute Art und Weise. Keine überbordende Wuchtigkeit, sondern eher wie ein leicht getrocknetes Roggenbrot. Dazu gesellt sich eine Aromatik von roten und gelben Früchten und die Erinnerung an Stroh oder eine sommerliche Heuwiese. Der Alkohol von immerhin 50%vol. ist absolut fein eingebunden. Mit der Zeit zeigen sich grüne Äpfel und der Whiskey scheint generell etwas cremiger zu werden und sich mit Nüssen zu garnieren.
Kakao-Noten verraten sich ganz zaghaft und unter allem stellt sich charmant das Roggenfeld auf in dem Bewusstsein, dass jeder weiß, auf welcher Basis dieser Whiskey destilliert wurde. Eine tatsächlich untypische Art von Understatement, aber wunderbar inszeniert. Die roten Früchte beginnen zu dominieren und erinnern ein wenig an Kirschen – welch tolle Kombination mit dem Kakao! Saftig und zugleich trocken in der Struktur freut man sich auf den ersten Schluck.

Bild rechts: Das Fasslager für wirklich handgemachten Whisky | Quelle: Florida Farm Distillers

Im Mund dann die Überraschung! Mild und cremig – deutlich weicher als gedacht stellt sich der Palm Ridge Rye dar. Viel Frucht: Rosinen, Orangen und getrocknete Äpfel – das typisch Pfeffrige von vielen Rye-Whiskeys fehlt hier ein wenig. Ganz leicht findet sich dieser Pfeffer an der Zugenspitze, doch die Frucht dominiert mit Kirschen. Das Gesamtbild passt auch zur Textur des Roggendestillats, deren Schmelz durch Früchte und dieses wunderbare Kakao-Kirsch-Bild geprägt wird. Dazu ein Hauch frischen Eichenholzes, welches jedoch ganz fein punktiert wirkt und vor allem am Gaumen zu finden ist. Im Nachklang erscheint der Rye schon fast etwas ätherisch, was eine tolle Dynamik ermöglicht. Diese Kräutrigkeit macht Lust auf einen nächsten Schluck, auch wenn man den mittellangen Nachklang gerne noch ein bisschen genießen möchte.

Bild oben: Er leuchtet im Glas, der Palm Ridge Rye | © www.spirit-ambassador.de

Bild rechts: Die Flaschen für den deutschen Markt | Quelle: your-whisky.com

Untypisch und typisch zugleich stellt sich der Palm Ridge Rye dar, dessen Aromen sich zwischen bekannten Roggennuancen und Früchten tummeln. Ein toller Whiskey zum pur trinken, aber auch in einem Manhattan macht sich der Rye aus Florida sehr gut. Er ist wiedereinmal kein typischer Vertreter seiner Zunft, aber ein tolles Beispiel dafür, was in den USA im Kleinen destilliert wird. Und dazu braucht es manchmal nicht mehr als eine Idee und den Mut, diese umzusetzen.
In diesem Sinne!
Cheers!

Allgemeine Informationen

Destillerie: Farm Distillers Florida

Alter: 7 -8 Monate

Alkohol: 50 %vol.

Farbstoff: n.n.

Kühlfiltration: n.n

Vertrieb: your-whisky.com

Vielen Dank an your-whisky.com für die Bereitstellung der Flasche. Außer Whisky ist hier nix geflossen.