Tanqueray Malacca – von Asien bis an die Südküste der Provence

Dass sich Geschichte wiederholt, muss nicht zwingend von Nachteil sein – zumindest wenn es darum geht, dass längst vergriffene Spirituosen (zumindest kurzeitig) wieder aufgelegt werden. Einer dieser Wiederkehrer war der Tanqueray Malacca. Hinter diesem Namen steckt nicht nur ein wichtiger Punkt britischer Geschichte, sondern auch so etwas wie der Anfang des Gin-Hypes.

Angeblich wurde dieser Gin schon von Charles Tanqueray in den 1830er Jahren entwickelt und seiner umfangreichen Rezeptsammlung entnommen, die auch legendäre Gins wie den klassischen London Dry oder den Old Tom hervorbrachte. Benannt ist er wohl nach der Straße von Malacca, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten Asiens – befindet sie sich doch genau zwischen Sumatra und Malaysia. Die bedeutendste Stadt ist ohne Zweifel Singapore, eine ehemalige Kolonie der Briten und bis heute Mitglied im Commonwealth. Zudem eine der teuersten Städte der Welt. Damals auf jeden Fall extrem Wichtig für die Entwicklung des Empires und so passt es, dass wir uns historisch in der Zeit befinden, in der die British East-India Company ihren absoluten Höhepunkt erreichte. Eventuell ist dieser Gin eine Hommage an die Einflüsse des fernen Asiens – leider ist darüber nichts niedergeschrieben. Ebenfalls dünn ist die Informationslage bzgl. der verwandten Botanicals im Gin, denn bis auf Wacholder wird keine weitere Zutat verraten.

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Bei einem solch geheimnisumwobenen Produkt war die Freude dennoch groß, als der Besitzer der Firma Tanqueray – DIAGEO – eine neue Auflage ankündigte. Seinen Legendenstatus erwarb er sich mitnichten in der Zeit des britischen Empires, sondern in den letzten Jahren des vergangenen Jahrtausends. 1997 wurde er als eine der ersten neuen Abfüllungen von Tanqueray auf den Markt gebracht. Man reagierte damit auch ein wenig auf den Wunsch der gerade anwachsenden Barszene, sich wieder deutlich mehr den Ursprüngen und alten Rezepturen hinzuwenden.  Nur leider war damals der Markt noch nicht so Wacholder-fokussiert wie es in unseren Tagen der Fall ist und man stellte schon 2001 den Verkauf ein. Was im Markt befindlich war, das wurde gehortet, nur an besondere Gäste ausgegeben oder für unmoralische Preise gehandelt.

Im Jahre 2013 brachte DIAGEO nun eine Neuauflage des mittlerweile wirklich legendären Tanqueray Malacca heraus und es entwickelte sich ein Run auf diesen Gin, der vorher so noch nie zu erleben war – zumindest außerhalb der Kategorie Whisky. Die produzierten 100.000 Flaschen weltweit waren zügig ausverkauft und mittlerweile zählt er wieder zu den Raritäten. Aber was bringt nun eine Legende mich sich – aromatisch?

Nun, zuerst deutlich weniger Alkohol als wir das von den anderen Gins aus dem Hause Tanqueray gewöhnt sind. Entspannte 40%vol. laufen satt und cremig in das Glas. In der Nase entspinnt sich eine extrem weiche Ausprägung des Wacholders – definitiv hier nicht das Kernelement, auch wenn diese neuartige Struktur bemerkenswert ist. In den Obertönen finden sich vor allem Zitronenschalen und etwas Vanille. Die Zitrusaromatik ist jedoch die einzige wirklich spitze Nuancierung, der Rest erscheint sehr breit, weich und ölig. Nach einer gewissen Zeit erscheinen deutliche Noten von Lavendel. Man fühlt sich sofort nach Südfrankreich verfrachtet und es ist schwer, dieses Parfümartige zu vergessen – wozu aber auch? Vielleicht ist da noch etwas weißer Pfeffer, der sich ziemlich spät zu den Zitrusaromen, die man schon fast vergessen, hat gesellt. Im Mund ein sehr ähnliches Bild! Die Textur ist sehr cremig, aber wird deutlich weicher als in der Nase angenommen. Der geerntete Lavendel ist hier deutlich das Schlüsselaroma, hinter dem sich alles andere einordnet. Leichte Wacholderaromen und dazu eine spezielle – wenn auch subtile – Note von Eukalyptus. Diese leicht-ätherische Nuance stellt einen fantastischen Kontrapunkt dar. Eine wohlige Wärme bleibt zurück und die Erinnerungen an leuchtende Felder stellt sich ein.

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Der Tanqueray Malacca ist ein Gin, der vielleicht in seiner Struktur in die Zeit der Old Tom Gins einzuordnen ist, statt die des klassischen Dry Gins. Dicker und fülliger und trotzt der vermeintlich schwachen 40%vol. ein extrem aussagekräftiger Vertreter seiner Klasse

Wie setzt man diesen Gin nun am besten ein? Völlig ungewöhnlich für unsere Zeit, aber dem Gin sehr zutragend ist die Variante des Pur-Genusses auf Eis. Gin auf Eis ist sicherlich nicht für alle eine sich sofort erschließende Variante, wer jedoch dieser Grundidee vertrauend folgt, der wird sehr positiv überrascht. Weiterhin empfiehlt sich die Lavendel-Note aufzugreifen oder die breite Textur. Ein Breakfast Martini von Salvatore Calabrese würde fantastisch zu der Besonderheit dieses Tanqueray Malacca passen.

Leider wohl kaum noch zu bekommen. Genießen wir unsere letzten Flaschen – Cheers!

Allgemeine Informationen

Destillerie: Tanqueray

Alter: n.n

Alkohol: 40,0 %vol.

Farbstoff: Nein

Kühlfiltration: n.n.

Vertrieb: Diageo

Vielen Dank an Diageo Deutschland für die Bereitstellung der Flasche. Außer Gin ist hier nix geflossen.