Der Tea Cobbler – britisches Understatement und karibische Entspanntheit

Für diesen Drink begebenen wir uns zurück in die 30er Jahre des 19. Jahrhundert. In dieser Zeit lassen sich einige Neuerungen an den Bars dieser Welt – hier vor allem die Bars in Amerika – finden. Es ist die große Stunde des eigentlichen Goldes der Bar: dem Eis. Das gefrorene Wasser ist in dieser Zeit endlich in verlässlichen Mengen herstellbar und auch was Lagerung und Transport anbelangt, hat man große Fortschritte gemacht. Iced Drinks kommen gerade groß in Mode und dazu auch ein Hilfsmittel, das sich besonders bei viel Eis als sehr nützlich beweist: der Trinkhalm. Die anfänglichen Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts halten eine ganze Menge an Innovationen im Sinne des Genusses bereit.

© www.spirit-ambassador.de

Auch die Grundidee dieses Drinks taucht in dieser Zeit das erste Mal auf und entwickelt sich zu einem Kassenschlager par excellence. Der Cobbler gehörte zu den wohl beliebtesten Drinks der damaligen Zeit. In seiner ursprünglichen Form ist es ein Sherry Cobbler, dessen Basis ein vernünftiger (vorzugsweise trockener) Sherry – unterschiedlicher Provenienzen – ist. Dem gesellt sich etwas superfeiner Zucker, feines Eis und Früchte der Saison hinzu. Et voilà – der Sherry Cobbler. Dieser Drink verhalf auch der Kategorie Sherry zum Durchbruch in der neuen Welt und ließ ihn zu einem gesamtgesellschaftlichen Genuss werden.
Bei einem Cobbler handelt es sich also vornehmlich um einen leichten und erfrischenden Drink, der wahrlich zu jeder Tageszeit genossen wurde. Wenn man sich mit der Geschichte von Drinks und Cocktails tiefergehend beschäftig, so wird man sehr schnell feststellen, dass der ganztägige Konsum früher etwas ziemlich normales war.

Der Genuss von Alkohol, gesellschaftliche Phänomene, ja sogar Politik sind selten losgelöst voneinander zu betrachten. So verhält es sich auch in diesem Fall, denn hier sind es Rum und Tee, die die Geschicke der späteren Vereinigten Staaten von Amerika bestimmen und zu deren Unabhängigkeit führen sollten. In diesem Fall ist der Drink jedoch nicht besonders gewalttätig, sondern vielmehr erfrischend leicht, sommerlich und verleitet dazu, eher auf der Terrasse zu entspannen, denn eine Revolution anzuzetteln.

Während ein klassischer Cobbler ohne die Zugabe eines Fillers nur aus Sherry, Zucker und Früchten besteht – die man schüttelt und in ein mit crushed ice präpariertes Gästeglas gibt; gesellt sich beim Tea Cobbler noch kräftiger schwarzer Tee hinzu. Hierbei ist die Wahl zwischen Assam, Darjeeling oder Ceylon eine reine Geschmacksache.
Die Kombination aus der kräftigen Aromatisch des jamaikanischen Rums und der herben Frische von kaltem schwarzen Tee machen den Tea Cobbler zu einem perfekten Begleiter am sommerlichen Nachmittag. Hier trifft die Karibik auf britisches Understatement. Ein fantastische Kombination, deren historische Wurzeln in der Kolonialzeit Jamaikas zu finden sind.
Hier nun das Rezept zum „Tea Cobbler“:
30 ml Appleton Estate 12 years
1 Barlöffel feiner weißer Puderzucker
40 ml kalter Schwarztee
Das Ganze kurz und kräftig shaken und in ein mit crushed ice präpariertes Gästeglas (Longdrinkglas, Weinglas o.Ä.) geben.
Mit frischen Früchten der Saison garnieren und mit Trinkhalm servieren.

Die in diesem Beitrag genannten Produkte entsprechen dem Gusto des Autors und stellen seine Meinung in Bezug auf Anspruch des Drinks dar. Außer Probeflaschen und Drinks ist hier nix geflossen.