Von Hirschen, alten Fässern und Superlativen

Die Destillerie von Dalmore zählt zu den wohl bekanntesten Whisky-Brennereien der nördlichen Highlands. Am Ufer des Cromarty Firth gelegen, wird dort seit 1839 Whisky destilliert. Dieses Gründungsjahr also ist der Beginn der Geschichte des Hauses, deren Flaschen ein prächtiger Hirsch ziert –  nun, so einfach ist es auch nicht. Tatsächlich ließen sich zwei Geschichten erzählen, die es auch beide wert sind. Eine davon beginnt im Jahre 1266, doch davon soll an späterer Stelle mehr berichtet werden.

Von der Gründung in die Vergangenheit

Die Entstehung der Destillerie verdanken wir dem umtriebigen Geschäftsmann Alexander Matheson, denn dieser gründete an dem versteckten Ort – unweit des Städtchens Alness – im genannten Jahr 1839 die kleine Destille. Das Geld dafür, so wird hinter vorgehaltener Hand erzählt, hatte er wohl aus illegalen Opium-Geschäften im asiatischen Raum. Wie sich herausstellte, war Matheson scheinbar weniger Whiskybrenner denn Geschäftsmann, da er die Brennerei sofort an die Familie Sunderland verpachtete. Diese Unternehmung war jedoch nicht von überzeugendem Erfolg gezeichnet, so dass schon 1866/67 ein neuer Betreiber die Geschäfte übernahm: die Familie Mackenzie in Person der drei Brüder Charles, Andrew und Alexander. Und hier nun verweben sich die Geschichten und wir müssen in das Jahr 1263 zurück springen.

Zur damaligen Zeit wurde ein Vorfahre der Mackenzie Brüder – ein gewisser Gerald (Colin) Fitzgerald – später als Colin of Kintale und Clanführer der Mackenzies –  für seine Tapferkeit im Kampf gegen die Wikinger in Largs ausgezeichnet und zum Castellan von Eilean Donan Castle ernannt. In dieser Position des Beschützer – des Constapler – ritt er mit seinem König King Alexander III. zur Hirschjagd. Die dortigen Ereignisse wurden vor allem durch das berühmteste Gemälde von Benjamin West 1786 erzählt und verbreitet: The Death of the Stag. Hier schildert er auf großer Leinwand, wie eben jener Fitzgerald als Vorfahre der Mackanzie-Brüder den König Schottlands vor dem Angriff eines mächtigen Hirsches beschützt, diesen niederstreckte und somit das Leben seines Monarchen rettet. Als Dank und zur Anerkennung dafür verlieh King Alexander III. ihm und seiner Familie das Recht, eben jenes Antlitz des Zwölfenders im Familienwappen zu führen.

Benjamin West: „The death of the stag“ 1786 | © www.wikipedia.org

Seit der Übernahme Dalmore’s durch die Familie Mackenzie – sie kaufte schlussendlich die Brennerei 1891 – ziert dieses Symbol auch die Flaschen und ist heute fester Bestandteil der Geschichte und des Auftritts der Marke und das Motto der Familie auch Sinnbild der Whiskys: Luceo non uro – Ich brenne nicht, ich leuchte. In Bezug auf das Handwerk ein fast schon witziger Zufall, aber für die Leidenschaft und den Eifer der Besitzer sinnbildlich.

Der Beginn einer langen Reise

Auf dem Weg zur Destillerie | © www.spirit-ambassador.de

Mit dem Kauf durch die Familie Mackenzie geriet Dalmore zunächst in ruhigeres Fahrwasser. Auf seiner Reise durch Schottland nimmt uns Alfred Barnard („Die Whiskybrennereien des Vereinigten Königreichs“) mit auf die Hänge am Cromartie Firth und dokumentiert die dortige Arbeit. Dadurch wissen wir, dass schon um das Jahr 1887 bei Dalmore rund 80.000 Gallonen feinsten Highland-Malts produziert wurden. Dies entspricht etwas mehr als 364.000 Litern, wovon schon zu dieser Zeit viel exportiert wurde. Heute werden vor Ort pro Jahr rund 4 Mio. Liter Rohdestillat erzeugt. Zeiten ändern sich, doch der etwas altmodisch Charme der Brennerei hat sich bis heute erhalten. Im Zuge des ersten Weltkrieges wurde die Brennerei dank Ihrer direkte Anbindung an die Nordsee durch die Royal Navy besetzt, die dort ab 1917 Seeminen bauen ließ. Nur drei Jahre später verließ das Militär nach einer Explosion die Brennerei wieder. Der Streit um die Entschädigungszahlungen eskalierte und beschäftigte sogar das House of Lords, wo 1925 eine Einigung erzielt wurde. Schon 1922 begann man jedoch wieder mit der Destillation von Whisky. Danach ging es auf und ab, die Wirren zweier Kriege und die amerikanische Prohibition setzte vielen Destillerien zu. Erst 1945 schien das Chaos beendet zu sein. Vorerst zumindest, denn im Jahre 1960 vereinigten sich die Unternehmen der Mackenzies mit der deutlich größeren Firma Whyte & Mackay aus Glasgow. Und damit sollte eine lange Odysse beginnen. Viele Eigentümer von Whyte & Mackay wechselten sich ab. Von der SUITS Group weitergeschoben zu Lonrho, weiter zu…. bis schließlich 2014 die auf den Philippinen ansässige Emperador Incorporation zum Besitzer wurde. Trotz der ganzen Wirren entwickelte sich Dalmore immer besser und etablierte sich als eines der bekanntesten Whiskyhäuser der Highlands.

Vielschichtigkeit und ein ganz spezielles Näschen

Der Ruhm Dalmore’s ruht vor allem auf den komplexen Aromen der einzelnen Abfüllungen. Dies hat  zwei Gründe. Zum einen die extrem unterschiedlichen Brennblasen, die von vornherein schon für eine vielschichtige Aromatik sorgen. In jeweils 4 wash stills (16.500l und 8.250l) sowie 4 spirit stills (8.250l und 16.500l) entsteht ein komplexes Destillat, welches dann vor allem in ex-Bourbon Casks und Sherry-Cask reifen darf. Hier spielt die enge Verbindung zu Gonzalez Byass eine wichtige Rolle, denn es ermöglicht das Reifen in einzigartigen Matusalem Sherry Casks. Zusätzlich zieht man für bestimmte Abfüllungen auch gerne Weinfässern heran. Von Anbeginn der Destillerie bezieht man das Wasser aus dem Loch Morie – knapp 20 km von der Brennerei entfernt. Durch den sehr  Fluss Alness wird es bis in die Destillerie transportiert. Das Malz kommt heutzutage aus Inverness von Baird’s. Bis 1982 mälzte man noch selber, baute eigens dafür sogar 1956 eine zur damaligen Zeit hochmoderne Saladin Box, welche die klassischen malting floors ablöste.

Die Destillerie direkt am Firth | © www.spirit-ambassador.de

Der legendäre Zwölfender auf jeder Flasche von The Dalmore | © www.spirit-ambassador.de

Doch all diese technischen und prozess-bezogenen Details wären wohl nicht so entscheidend für den Erfolg des Whiskys, wenn es nicht eine Nase gäbe, die dies alles vereint. Und diese gehört zu einem der wohl bekanntesten Menschen im Whisky-Universum: Richard Paterson. Seit 1970 bei Whyte & Mackay beschäftigt gilt die Leidenschaft des Master Blenders seit vielen Jahren natürlich auch Dalmore. Ihm ist es zu verdanken, dass neben der 12jährigen Standartabfüllung auch ein 15 bzw. 18 Jähriger zu finden ist. Er ist Schöpfer des King Alexander III und des Cigar Malt Reserve. Eine Koryphäe und ein Entertainer in einem. Unter Ihm sind auch einige Superlative erreicht worden. Die teuersten Flaschen der Whisky-Geschichte werden vom berühmtesten Hirschen der Whisky-Branche geziert und die sogenannte Constellation-Range weißt Whiskys auf, die bis in die 1960er Jahre zurück reichen.

Man blickt in die Zukunft bei Dalmore und White & Mackay, für die nächsten Jahre sind große Pläne geschmiedet. Und das ist auch gut und berechtigt so. Sieht man sich doch geschützt durch den Segen des Königs und die Kraft eines fantastischen Single Malts. Und natürlich begleitet mit der populärsten Nase der Welt.

Slainthe