Über Champagner, Revolution und ein Vermächtnis

Champagner ist mehr als ein Wein. Champagner ist der Inbegriff von Luxus, Genuss und Feierlichkeiten. Er steht für Tradition, Handwerk und eine Region im Nordwesten Frankreichs, die lange Zeit als das nördlichste Wein-Anbaugebiet der Welt galt. Eine der bekanntesten Champagnermarken jeedoch steht für viel mehr als das. Zwar werden die Weine mit dem berühmten gelben Etikett auf der ganzen Welt erkannt und immerhin ist es das zweitgrößte Champagnerhaus, doch Veuve Clicquot, dieser berühmte Wein aus Reims steht für viel mehr. Er ist auf Ewigkeit verbunden mit dem Namen jener Frau, den wir heute noch auf dem Label finden: Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin – die Witwe Clicquot. Ihre Geschichte ist die Geschichte der Maison Clicquot, doch auch die des Champagners. Von daher ist es nur gebührlich dieser großen Damen das erste Champagner-Porträt auf spirit-ambassador.de zu widmen.

Ein Kind der Revolution und ein Kind der Champagne

Geboren wurde Barbe-Nicole Ponsardin am 16.12.1777 in Reims als Tochter des Textilhändlers Nicholas Ponsardin und seiner Frau. Als am 14. Juli 1789 mit dem Sturm auf die Bastille in Paris die französische Revolution losbrach, war sie gerade 11 Jahre alt. Ihre Familie wird von den Wirren der Revolution überrascht, gehört sie doch zum monarchistischen Flügel der französischen Gesellschaft. Doch Champenois sind pragmatisch – das verlangen Land und Klima von den Menschen, und so wurde aus dem Monarchisten Ponsardin ein Jakubiner, der sich geschickt durch die Umbrüche der Gesellschaft wandt. Doch nicht nur im Politischen handelte die Familie Ponsardin geschickt, auch die Wahl eines Ehemannes für seine älteste Tochter versprach vorteilhaft zu sein und so wurde in aller Heimlichkeit in den Kreidekellern der Stadt Reims im Jahr 1798 die Vermählung zwischen Barbe-Nicole Ponsardin und François Clicquot gefeiert, dem Sohn eines weiteren bekannten Tuchhändlers der Stadt. Doch nicht nur Tücher gehörten zum Geschäft der Familie Clicquot, sondern auch Wein. Sein Vater – Phillippe Clicquot gründete 1772 ein kleines Weinhandelshaus. Dies war der Grundstein für eine beeindruckende Entwicklung und eine Geschichte, wie sie erfolgreicher kaum sein konnte.

Bild rechts: Eines der wenigen Bilder der Witwe Clicquots. | © Moët Hennessy

Das Ende der Revolution und der Beginn des Champagners

Zu einer Zeit, als das Gros der Weine der Champane noch Stillweine waren, entschied sich das junge Paar dazu, dem immer zuverlässiger herstellbaren Schaumwein den Vorzug zu geben und setzte alles daran, die Herstellung von Wein und den modernen, doch noch zuweilen unbekannten Bläschen darin zu erlernen. Ein bescheidender Erfolg gab dem jungen Paar recht. Waren es 1796 noch 8.000 Flaschen, die das Familienunternehmen Clicquot verkaufte – allesamt Stillweine; so standen schon 1804 60.000 Flaschen zu Buche. Ein gehöriger Ansprung in schweren Zeiten. Die Revolution war zwar vorüber, doch der Terror und die Angst vor der Guillotine verdunkelten den Horizont – die Revolution der Freiheit wurde zu einer Bemächtigung des wütenden Mobs. Erst mit der Machtübernahme durch Napoleon Bonaparte im Dezember 1799 endete die Schreckensherrschaft und Vernunft zog in das politische Frankreich ein. Diese Restauration der Ordnung gipfelte im 1804 verabschiedeten Code Napoleon, dem zivilen Gesetzbuch, welches am 21.03.1804 offiziell die gesetzgebende Instanz wurde. Doch während sich innenpolitisch ruhigere Fahrwasser öffneten, wurde außenpolitisch die Welt neu geordnet. Napoleon strebte mehr an, als nur Kaiser von Frankreich zu sein und seine Gegenspieler – allen vorran Russland, Schweden und Österreich – waren mehr als besorgt darüber. Und so führte diese politische Situation im Jahr 1805 zu einem europäischen Krieg, der die Champagne und vor allem das Haus Clicquot nicht wenig treffen sollte. Europäische Kriege und die Region der Champagne – dies gehört, wie Don und Petie Kladstrup in ihren Büchern eindrucksvoll zeigen, zusammen.

Die Witwe Clicquot und ein historisches Phänomen

Unter all diesen politischen Eindrücken und der Tatsache, dass binnen kurzer Zeit das Champagner-Geschäft enorm einbrach, verschlechterte sich der Gesundheitszustand von François Clicquot rapide. Er starb im Jahr 1805 und machte seine 27jährige Frau zur Witwe – le Veuve Clicquot. Gegen jeden Zeitgeist zuwider entschied sich die kühne junge Frau dazu, das Weingeschäft ihres Mannes alleine weiterzuführen. Ihr Schwiegervater gestand ihr dies jedoch nur unter der Bedingung zu, dass sie sich einen Geschäftspartner suchte, der etwas von Wein und Geld verstand – damit wurde Alexandre Fourneaux der neue Partner in der Firma Clicquot. Was sich erhielt, war der unbändige wille Barbe-Nicole’s, sich dem Themen Handel und Weinbereitung zu widmen. Aber auch ihr treuester Helfer, der schon zu Lebzeiten ihres verstorbenen Mannes als Handelsvertreter durch Europa zog, blieb der Unternehmung – so wagemutig sie auch gewesen war – treu: Ludwig „Louis“ Bohne aus Deutschland. Er zog durch Europa und verkaufte unter teilweise lebensbedrohlichen Bedingungen den Champagner der nun jungen Witwe. Ihm sollte später eine ganz besondere Rolle zukommen.
Doch die Geschäfte liefen schlecht. Der Krieg in Europa sorgte für wirtschaftliche Schwächen und die Kämpfe in der Champagne für zerstörte Weinberge. Nach nur vier Jahren sicherte sich Fourneaux seinen damaligen Anteil, den er in die Firma brachte und verließ Clicquot. Wieder stand Barbe-Nicole allein dar und wieder vertraute ihr Schwiegervater ihr, die Firma zu leiten. Neben Bohne waren es vor allem Anton Müller – seit 1810 Kellermeister – und Georg Christian von Kessler, die ihr zur Seite standen – alle drei deutscher Herkunft. Kessler verließ die Firma 1825 und ging zurück in seine Heimat Esslingen, um dort 1826 das nunmehr älteste deutsche Sekthaus zu gründen: Kessler Sekt.

Bild links: Dies ist Clicquot-Land | © Moët Hennessy

Es ist im Rückblick mehr als beeindruckend, wie es eine junge, mehr oder minder unerfahrene Frau – deren Ausbildung in jungen Jahren darin bestand, sich gesellschaftskonform zu benehmen –  mit Disziplin, Kühnheit und Intelligenz geschafft hat, all diesen Widrigkeiten zum Trotze ihre höhere Vision zu behalten und stets und ständig daran zu arbeiten.

Ein Komet und ein Jahrhundertwein

Die Umstände des Jahres 1811 waren alles andere als erbaulich. Der europäische Krieg hielt an und die Kontinentalsperre sorgte für ein Erliegen des Handels. In solchen Zeiten ist ein guter Rat teuer und die Sehnsucht nach göttlichen Zeichen groß. Ein solches Zeichen ereignete sich jedoch – heute trägt es den Namen C/1811 F1, oder auch der Komet Flaugergues. Dieser mit bloßem Auge sichtbare Komet ist der Grund, warum noch heute von sogenannten Kometenweinen gesprochen wird und warum Weine des Jahres 1811 als die besten des gesamten Jahrhunderts gelten. Ein ausgeglichener und warmer Frühling, ein trockener Sommer und ein langsauernder Herbst sorgten für eine mehr als besondere Ernte. Die gekelterten Weine diesen Jahres hatten das Potential, von ganz großer Bedeutung zu werden. Dies war auch bei Clicquot der Fall und im übrigen der Grund, warum noch heute auf jeder Flasche Veuve Clicquot ein Komet abgebildet ist.

Auf jedem Korken findet sich neben der Abkürzung VCP und dem Anker auch der Umriss des Kometen von 1811 | © www.spirit-ambassador.de

Damals gab es noch keine Etiketten, aber Madame Clicquot wusste um die Gefahr von Betrügern und so versah sie ab diesem Jahr die Korken ihrer Weine mit eben jenem Kometen. Ein äußerst progressiver Marketingschritt, der später für den Ruhm der Weine aus Reims von großer Bedeutung gewesen sein wird.
Der Wein war großartig, doch wer sollte ihn kaufen? 1812 erhob der russische Zar, einer der eigentlich wichtigsten Abnehmer von Champagner, ein Embargo gegen französische Produkte – galt es doch, Napoleon in die Knie zu zwingen. Selbst ein erfahrender Verkäufer wie Ludwig Bohne sah keine Chance darin, die Weine seiner geschätztin Auftraggebering an den Mann, geschweige denn an den russischen Hof zu bringen.
Welch ein Dilemma – der beste Wein der damaligen Welt und niemand würde ihn trinken.

Die Welt gehört den Mutigen

Mit der Sichtung des großen Kometen im Jahr 1811 erhoffte man sich eine Verbesserung der Umstände. Der Wein, den man in diesem sagenumwobenen Jahr produzierte, war von herausragender Qualität. Die Trauben reiften aus und generierten so viel Zucker, dass der daraus gekelterte Wein nicht nur voller Stärke, sondern außerdem extrem langlebig war. Beides Merkmale, die auf Champagner der damaligen Zeit kaum zutrafen. Doch was soll man nur machen mit einem Wein, der weltbewegend war, doch von niemandem getrunken wurde, da es niemanden gab, der ihn kaufte? Dass es dem größten Konkurenten von Madame ClicquotJean-Remy Moët, der beste Freund Napoleons – genauso erging, war sicherlich wenig tröstlich, schließlich neigte Barbe-Nicole nicht dazu, sich mit Tröstlichkeiten zu begnügen. Sie wollte mehr – sie wollte, dass die ganze Welt ihren Champagner trinken würde. Und Ludwig Bohne sollte ihr dabei helfen.

Der große Coup

Napoleon mit seinem geschlagenen Herr auf dem Rückzug durch den russischen Winter | Gemälde von Adolf Northern | Quelle: wikipedia.org

Der Russlandfeldzug Napoleon Bonapartes welcher im Frühjahr 1812 begann und der Grund für das Handelsembargo war, wandelte sich im Winter des gleichen Jahres in eine absehbare Katastrophe. Der Rückzug der französischen Truppen wurde durch die einbrechende Kälte erschwert und schlugen sich auf die Moral der Truppe – oder besser: deren Reste. Diese Gunst nutze die Koalition aus Russland, Preussen und Österreich und schlug zurück. Das Ergebniss dieses letzten Napoleonischen Krieges ist bekannt: die Schlacht um Waterloo. Doch das ist eher etwas für eine Erzählung über das Haus Moët & Chandon – schließlich war Jean-Remy Moët einer der engsten Freunde des Kaisers und sein Hoflieferant.
Noch bestand das zaristische Embargo von 1812 gegenüber Frankreich, doch es gab erste Anzeichen dafür, dass dem nicht mehr allzulange so sein wird. Der direkte Kontakt Bohnes zum russischen Adel half ihm, die Zeichen der Zeit zu deuten und so schrieb er mitte 1814 einen Brief nach Reims, indem er vom angekündigten Ende des Embargos berichtete. Diese Nachricht war das Wunder, welches man erhofft hatte. Ohne großes Aufsehen zu erregen – schließlich wollte man die Konkurrenz in Unwissenheit lassen – wurde über Umwege ein niederländisches Schiff angeheutert und mit mehr als 10.000 Flaschen des 1811er Jahrgangs an Bord Richtung Königsberg geschickt. Ein kühnes Unterfangen, schließlich befanden sich an Bord erhebliche Reserven aus den Kellern des Hauses Clicquot – würde hier etwas schief gehen, wäre das ein herber Schlag in die eh schon gebeutelte Kasse der Firma. Doch Bohne hatte Recht und der Mut Barbe-Nicoles sollte belohnt werden. Als am 02. August 1814 das Schiff in Königsberg einlief, verkaufte sich der Champagner des Hauses Veuve Clicquot so gut, dass schon wenige Tage später alle Flaschen weg waren und zwei Wochen später ein zweites Schiff mit noch mehr Wein in Richtung Russland geschickt wurde.
Mit dem 1811er Jahrgangswein eroberte man nicht nur den russischen Markt, man präsentierte gleichzeitig auch einen Vintage, der in seiner Qualität als unübertroffen galt. Doch hat dieser Wein mit den heutigen Champagnern wenig gemein. Zum einen war er sehr süß. Man geht heute davon aus, dass er um die 300 gr. Restzucker in der Dosage hatte – heute sind es beim aktuellen Clicquot Vintage 2008 8gr. pro Liter Dosage. Über viele Jahre hinweg sollte dieser süße Champagner nicht nur den typischen russischen Gusto abbilden, sondern auch das stilprägende Element der Weine aus dem Hause Clicquot sein. Dies änderte sich erst im späteren 19. Jahrhundert.

Einer der größte Anhänger des damals süßen Champagners: Zar Alexander I. | Gemälde von Franz Krüger | Quelle: wikipedia.org

Die Nachfrage und daraus erwachsene Notwendigkeiten

Mit dem unglaublichen Erfolg der ersten Champagnerlieferungen nach Russland gewann Veuve Clicquot einen erheblichen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten. Die Menge an verkauftem Champagner war gigantisch. Waren es  im Jahr 1816 43.000 Flaschen Veuve Clicquot, so stieg diese Zahl im Jahr 1836 auf 200.000 Flasche an und 1850 waren es schon unglaubliche 400.000 Flaschen. Die gemeinsame Vision, die François und Barbe-Nicole Clicquot hatten wurde Wirklichkeit – vor allem durch den Mut der Witwe.
Doch die große Nachfrage brachte aber auch das Problem der Produktion auf. Damals wurde der Champagner noch äußerst aufwendig durch Umschütten von einer Flasche in die Andere von seiner Hefe getrennt, welche für die zweite Gärung in der Flasche und die so berühmten Bläschen notwendig ist. Diese Trennung war wichtig, damit der Wein klar wurde und nicht weiter gärte und verdarb. Eine komplizierte und vor allem zeit- und kostenintensive Arbeit. Neben den verlässlichen Weinkäufen – und damit schließlich auch der stetige Zukauf von Weinbergen – war dies das größte Problem, vor dem man damals stand.

Remuage – die zweite Revolution des Champagners

Die Flaschen in einem Rüttelbrett | © Moët Hennessy

Die Lösung dieses Problems wird heute stets mit Barbe-Nicole Clicquot verbunden. Ihr Interesse für die Weinherstellung ist bekannt und auch ihr Bestreben, handwerklich die Dinge zu perfektionieren. Doch ihren Kellermeister Anton Müller muss man an dieser Stelle auch erwähnen. Wohl zusammen tüftelten beide an einer Möglichkeit, die Heferückstände der zweiten Flaschengärung einfacher vom Wein zu trennen. Der Küchentisch der Witwe soll hierbei eine tragende Rolle zukommen, war dieser es doch – nach den Mythen her – den man hernahm, um das erste Rüttelbrett der Champagnergeschichte zu erproben. Dabei wurden Löcher in die Tischplatte gesägt und die Flaschen hineingestellt und langsam gedreht, bis sich die Hefe im Flaschenhals absetzt. Dieses Rütteln, oder auch remuage genannt ist bis heute essentieller Bestandteil der Champagnerherstellung und kann völlig zurecht als eine der wichtigsten Entwicklungen dieser Weine gelten. Erst durch das Rütteln war es Möglich, große Mengen des begehrten Schaumweins herzustellen.

Eine große Zeit beginnt

Diese Erfindung wurde um 1816 herum getätig und man versuchte so lange wie möglich, diesen Fortschritt vor der Konkurrenz geheim zu halten. Man gewann einen technischen Vorsprung von ca. 10 Jahren. Damit setzte die große Skalierbarkeit von Champagner ein und das Produkt wurde populärer und einem größeren Publikum zugänglich. Einer der großen Champagner-Helden dieser Zeit sollte dies nicht mehr miterleben. Ludwig Bohne, der treue und mutige Handelsreisende der Maison Clicquot verstarb 1821. Ihm folgte als Geschäftspartner der junge Auszubildende Eduart Werle aus Wetzlar, welcher später – 1830 – Geschäftspartner von Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin wurde. Mit ihm geriet die Firma für kurze Zeit auch auf Abwege, als man sich dazu entschloss neben dem Weinhandel auch in den Bankensektor zu investieren und eine eigene Bank gründete. Diese Idee brachte die Firma kurz vor den Zusammenbruch, doch Werle rettete die Situation und damit auch die Firma.
Nach dieser kurzen Zeit der Unruhe wuchs Veuve Clicquot-Ponsardin zu einem der größten Champagnerhäuser und Barbe-Nicole ging 1844 in den verdienten Ruhestand. Sie selber heiratete nie wieder, doch ihre einzige Tochter sorgte für Enkel und die wiederum für Ur-Enkel. Niemals jedoch versiegte ihr Interesse für die Herstellung des Weines, der sie auf der ganzen Welt so berühmt gemacht hatte. Dies, obwohl sie niemals Frankreich verlassen hatte. Sie war eine Unbekannte – ganz im Geist der damals pratriachischen Zeit – doch ihr Name stand wie kein anderer für Mut und Kühnheit. Als Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin im Jahr 1866 starb, produzierte ihre Firma 750.000 Flaschen Champagner und besaß knapp 40ha an Weinbergen.

Das berühmte gelbe Etikett

Der Wein der berühmten Witwe war Zeit ihres Lebens ein sehr süßer Wein – war dies doch auch der Erfolgsgarant für den russischen Markt. Doch eben jene Zeiten änderten sich und England wurde als Verkaufsziel immer populärer. Damit änderten sich jedoch auch die Anforderungen an die Produkte, denn so trocken wie der britische Humor, so trocken wollten die Engländer gerne ihren Champagner. Zumindest in damaligen Relationen. Hatte man anfänglich die eigenen Produkte vor allem mit Hilfe einer Brandmarkierung auf dem Korken gekennzeichnet, ging man Mitte des 19. Jahrhunderts dazu über, Etiketten auf die Flaschen zu bringen, auf denen der Name des Erzeugers stand. Ein wichtiger Schritt im Marketing für Genussmittel und hin zur Wiedererkennung von Marken.

Das berühmte gelbe Label | © www.spirit-ambassador.de

Damit in den Kellern der Firma Clicquot die süßen Weine für Russland und die trockenen Weine für England nicht verwechslet wurden, begann man ab 1876 für eben jene Brut-Weine ein gelbes Etikett zu verwenden. Genau dieses Etikett sollte später als eines der berühmtesten Champagner-Label der Welt gelten und den Namen breitstellen für die Standart-Cuvée des Hauses Clicquot: Carte de JauneYellow Label.

Die Cuvée als größte Kunst

Eben jene Standartcuvée ist es, der man bei Veuve Clicquot noch heute die größte Aufmerksamkeit widmet. Jahrgangsweine gibt es nur in besonders guten Jahren – die letzten aus 2002, 2004 und 2008. Berühmtheit jedoch und globale Wiedererkennung verdankt man der Standartcuvée, jenem Yellow Label.

Yellow Label, Carte de Jaune oder die Brut sans année – die jahrgangslose Standartcuvée | © www.spirit-ambassador.de

Heute erschafft man diese aus über 100 Weinen – Reserve-Weine und die jeweiligen aktuellen Weinen – und versucht dabei stets, Balance und Kontinuität zu erhalten. Charles Delhaye, der 8. Kellermeister von Veuve Clicquot hat es einst in einem Interview auf den Punkt gebracht: „Wir suchen stets ein perfektes Gleichgewicht“. Dieses Gleichgewicht lebt von einer Dominanz des Pinot Noirs und einem relativ hohen Anteil an Reserveweinen, der jedoch je nach aktueller Ernte sehr unterschiedlich ausfallen kann. so waren es 2008 24% Reserveweine, 2009 34% und 2010 sogar 43%. Das Ziel ist ein gleichbleibender Geschmack: der Hausstil. Für diesen sind neben dem Kellermeister – aktuell mit Dominique Demarville der 10. in der gesamten Firmengeschichte – 10 Önologen verantwortlich.
Deren Hauptaufgabe besteht darin, die Weine zu degustieren – jeder Wein wird zwischen zwei und vier mal verkostet – und die Komposition so zu gestallten, dass die nächste Flasche Veuve Clicquot Carte de Jaune genauso wunderbar schmeckt, wie die letzte. Oder jene davor. Die Cuvée ist die große Kunstform der Maison Veuve Clicquot.

Wenn Kühnheit das Erbe ist

In einem ihrer letzten Briefe schrieb Barbe-Nicole an ihre Enkelin: „Die Welt ist ständig in Bewegung, und wir müssen die Dinge von morgen erfinden. Man muss sich vor den anderen aufmachen, muss entschlossen und tatkräftig sein. Lass deine Intelligenz Dein Leben leiten. Handle verwegen“.
Dies sind nicht nur die Worte einer großen Matriarchin, es sind vielmehr die Worte eine kühnen und durch visionen geleiteten Geschäftsfrau. Entgegen aller historischen Umstände wurde die früh zur Witwe gemachte junge Frau zu einer der bedeutendsten Businessfrauen der Geschichte. Um dies zu würdigen, wird seit 1972 der Veuve Clicquot Business Women Award ausgeschrieben, der erfolgreiche Frauen in der Geschäftswelt ehrt – ganz im Sinne von Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin. Einer Frau, die den Champagner revolutionierte und der wir bis heute vieles zu verdanken haben.
In diesem Sinne!
Cheers!