The Dalwhinnie – über konspirative Treffen und weltbekannte Malts

Fährt man mit seinem Wagen durch Schottland und ist auf dem Weg von Perth nach Inverness, so kann man die Dalwhinnie Destillerie eigentlich kaum verfehlen. In Sichtweite der A9, eigentlich direkt hinter dem Abzweig der A889 (der schottischen!) strahlen die kupfernen Pagodendächer in der Landschaft der Midlands. Seit vielen Jahren wird hier ein Whisky hergestellt, den die ganze Welt kennt. Ist doch die 15jährige Abfüllung elementarer Bestandteil der Classic Malt Selection Serie von Diageo. Schon 1987 wurde dieser Whisky in die damals noch durch United Distillers vertriebene Sammlung aufgenommen und trug erheblich zum Weltruhm dieser kleinen Brennerei bei.

Von Gründungswirren und historischer Lage

Gegründet wurde die nahe der Ortschaft Dalwhinnie – mit durchschnittlich 6°C im Übrigen einer der kältesten besiedelten Orte in ganz Großbritannien – liegende Destillerie im Jahre 1897/98. Die drei Geschäftspartner John Grant, George Sellar und Alexander Mackenzie errichteten die Brennerei damals jedoch unter dem Namen Strathspey und begannen schon ein Jahr später mit der Produktion. Doch die Vorzeichen schienen nicht gut gewesen zu sein für diese Art der Unternehmung, denn schon im folgenden Jahr stellten sich Liquiditätsprobleme ein und das Trio musste die neue Destillerie verkaufen. Der neue Eigentümer John Sommerville & Co, sowie A P Blyth & Sons benannten die Brennerei sogleich um in den heute geläufigen Namen. Doch schon 1905 sollte es einen nächsten Besitzerwechsel geben. Die amerikanische Company Cook & Bernheimer erstanden Dalwhinnie und wurden somit zu den ersten ausländischen Brennereibesitzern in Schottland. In dieser Zeit wurde der Whisky vor allem für Blendingzwecke destilliert mit dem Ziel, die Geschmacksnerven des amerikanischen Konsumenten zu treffen. Diese prinzipiell sehr zukunftsorientierte Idee erwies sich jedoch unter den Bedingungen der ausgerufenen Prohibition als nicht durchsetzbar und so kehrte man schon frühzeitig Ende 1919 zurück in schottische Besitztümer von Sir James Calder – seines Zeichens Chairman von Greenlees & Williams, einer Blendingcompany aus Leith. Doch die Gründungswirren sind damit noch nicht beendet.
1926 wird die Brennerei weitergereicht an The Distillers Company Limited (DCL, später Diageo), die Lizenz ging an James Buchanan & Co. Somit fand der Whisky seinen Weg in berühmte Blends wie den Black & White. Innerhalb von 30 Jahren war dies der nunmehr fünfte Betreiber. Doch so richtig ruhig wurde es nicht, denn in den frühen Stunden des 01. Februars 1934 brach in der Destillerie ein Feuer aus und der Schaden war so enorm, dass erst wieder 1938 vor Ort Whisky gebrannt werden konnte, doch in den Jahren des zweiten Weltkriegs war an einen normalen Betrieb in Folge der Getreidepolitik nicht ansatzweise zu denken. Alles in allem keine guten Voraussetzungen für die kleine Brennerei in der gleichnamigen Ortschaft. Dabei ist die Lage fast perfekt. Befindet sich das kleine Örtchen Dalwhinnie doch an einer historischen Kreuzung vieler verschiedener Handels- und somit Schmugglerwege. Eine permanente Bewegung im Ort wäre eine fantastische Grundlage für weitreichende Werbung, doch das Schicksal wollte es scheinbar anders.

Die Destillerie liegt an einer der wichtigen Durchgangsstraßen Schottlands | Das Bild mit freundlicher Unterstützung von Thomas Plaue

Der Name Dalwhinnie bedeutet daher übersetzt auch soviel wie Versammlungsort. Doch die Lage ist bis heute von Bedeutung, vor allem wenn es um die Qualität des Wassers geht. Mit ihrer Lage auf 326m Höhe war Dalwhinnie lange Zeit die höchste Brennerei Schottlands. Dies änderte sich zwar 1974 mit der auf 355m Höhe gelegenen Destillerie von Braes of Glenlivet (kurz: Braeval), nichtsdestotrotz garantiert die Höhe reinstes Wasser aus dem Allt an T’Sluic, der sich vorwiegend aus dem geschmolzenen Schnee der Berge speist. Dieser Fluss mündet später im River Spey, was im Laufe der Jahre für eine kontroverse Debatte führte, ob diese im Herzen Schottlands gelegene Brennerei nun Bestandteil der Highlands oder vielmehr ein Außenposten der Region Speyside sei. Man entschloss sich dann dafür, ersteres für passender zu halten.

Moderne Zeiten und der Beginn eines globalen Erfolges

Spätestens seit dem Jahre 1987 hat sich diese kleine Brennerei völlig von dem Chaos der ersten Jahre erholt und etablierte sich zu einer Berühmtheit. In diesem Jahr wurde die Standardabfüllung – der 15jährige Single Malt – offiziell in das sechs Whiskys umfassende Classic Malt Programm aufgenommen, welches heutzutage als eine der bekanntesten Sammlungen schottischen Whiskys gelten kann.  Schon zwei Jahre später eröffnete das Visitorcenter seine Pforten und damit hatte man schon damals ein glückliches Händchen – weit vor dem großen Boom der schottischen Whiskyindustrie.

Der große Klassiker der Brennerei – The Dalwhinnie 15 | © www.spirit-ambassador.de

Der Weg in die Moderne – The Dalwhinnie Winter’s Gold | © www.spirit-ambassador.de

Die fatalen 1980er Jahre waren erst kurz vorbei und hier in der Weite Schottlands entschloss man sich, Whisky als mehr zu betrachten was er ist – vielmehr erkannte man den umfassenden Wert dieses Guts, auch im touristischen Sinne. Doch die entscheidende Wendung war die steigende Popularität des 15ers. Zum einen ist dieser Whisky von seiner Grundstruktur ein mehr als überzeugender Alleskönner mit einer Mischung aus weicher Fruchtigkeit und Honig, die sogar leichte Anklänge von Torf mit sich bringt. Dieser Hausstil zieht sich auch durch die – leider – äußerst seltenen Sonderabfüllungen. Doch darauf ruht man sich nicht aus. Man hat bei The Dalwhinnie die Zeichen der Zeit erkannt und den Mind-Switch der Konsumenten aufgegriffen und im Jahr 2015 einen Whisky kreiert, der dafür gedacht ist, gut gekühlt genossen zu werden: der Dalwhinnie Winter’s Gold.
Ob man in den turbulenten Anfangsjahren jemals von einem solchen Erfolg geträumt hat ist nicht überliefert – aber trotz aller Wirrungen macht man unter der Führung von Diageo hier im Herzen Schottlands, wo viele Wege aufeinandertreffen scheinbar alles richtig und beweist stets einen guten Riecher für Trends. Und das alles sehr beruhigt und ohne großen Wirbel.
Slainthe